Rückblick Radverkehrsschau Renningen und Malmsheim vom 5. Mai 2013

Verkehrspolitik

Renningen. Die Radverkehrsgruppe des ADFC Renningen-Rutesheim-Magstadt lud am Sonntag, den 5. Mai die interessierte Bürgerschaft ein sich wieder gemeinsam ein Bild über die Radverkehrsinfrastruktur in Renningen und Malmsheim zu machen.

In der Vorrede wies der Tourenleiter und Sprecher der Ortsgruppe Jörg Stenner darauf hin, dass der ADFC sich neben seinem Angebot an Radtouren auch schwerpunktmäßig um Radverkehrsverbesserungen kümmert um den Radverkehrsanteil zu erhöhen.

Man freut sich hier, dass die neue Landesregierung dies landesweit auf einen Anteil von 20 % steigern will. Der ADFC versteht das Fahrrad als gleichberechtigtes Verkehrsmittel zum motorisierten Individualverkehr und zum ÖPNV, das viele Vorteile bietet: Es wird kein CO2 produziert und damit aktiver Klimaschutz betrieben, Fahrradfahren erzeugt keinen Lärm und steigert damit auch insbesondere innerörtlich die Wohn- und Aufenthaltsqualität und es steigert für den Radfahrer selbst die Fitness. Und das nicht nur in der Freizeit sondern auch bei der Benutzung im Alltag. Ganz konkret gehe es hier am eigenen Ort in Renningen und Malmsheim darum, die Rahmenbedingungen für das umweltfreundliche Verkehrsmittel Fahrrad durch gute Angebotspolitik weiter zu verbessern, d. h. zügiges Vorankommen zu ermöglichen und das Radfahren insgesamt sicherer zu machen.

Dann ging’s auf Tour und es wurden in ca. 3 Stunden verschiedene Punkte aus Radfahrersicht unter die Lupe genommen:

Zunächst ging es zum neuen Renninger SÜD Bahnhof wo, wir an der neuen Unterführung für den Rad- und Fußgängerverkehr die zu engen Radien und die schlechte Einsehbarkeit im Bereich der Unterführung bemängelten, leider hat es hier schon einige Unfälle gegeben.

Genau diese Punkte, die Probleme machen, hatte der ADFC in verschiedenen Schreiben an Stadt und Eisenbahnbundesamt bezugnehmend auf die Planung in 2009 erwähnt und auf Verbesserungen gedrungen. Leider ohne Erfolg. Immerhin ist die Ausgestaltung der Unterführungen am Renninger NORD Bahnhof und auch am Bahnhof in Magstadt deutlich besser, für Renningen SÜD ist das aber leider ein schwacher Trost - manche Radler nehmen deshalb inzwischen die Unterführung für die PKW.

Auch bei der Fahrradabstellung liegt am neuen SÜD Bahnhof noch einiges im argen. Nachdem es bei der S60 Inbetriebnahme keinerlei Fahrradständer gab, sind inzwischen immerhin 15 Stück auf der für die Radler „guten“ Seite stadteinwärts aufgebaut, allerdings nicht überdacht. Hier muss dringend eine Verbesserung herbeigeführt werden, auch überdachte Fahrradboxen fehlen noch.

Dann ging’s weiter in Renningen zur Bahnhofstraße. Hier fordert der ADFC schon lange Tempo 30, und in Bälde werden im Zuge der Sanierung der südlichen Bahnhofstraße auch erste Erfolge dafür sichtbar werden.

Dann wurde die neue Unterführung für den Rad- und Fußgängerverkehr am Bahnhof Renningen NORD durchfahren und man war sich einig, dass diese vom ADFC in 2001 angeregte Baumaßnahme wirklich gelungen ist.

Die 6 m breite Unterführung unter den Gleisen und die passablen Radien der Wegführung machen das Radfahren in diesem Bereich komfortabel und sicher.

Nach der geplanten auch radfahrergerechten Ausgestaltung der Industriestraße ergibt sich damit eine deutlich verbesserte Verbindung für Radfahrer aus Malmsheim Nord zum Freibad oder zur Einkaufsmeile Bahnhofstraße. Ebenso können dadurch Radfahrer künftig wesentlich besser und sicherer aus der Renninger Ortsmitte zum Einkaufen ins Industriegebiet kommen.

Dabei muss nun noch die gute Anbindung an die weiterführenden Straßen nördlich der Industriestraße realisiert werden, der ADFC ist dazu mit der Stadt Renningen in engem Kontakt. Inzwischen wurde in der Planung für den Radweg entlang der Industriestraße auch eine weitgehende Entkopplung vom Autoverkehr des Park & Ride Platzes herbeigeführt – der Radweg wird nicht zwischen P&R Platz und Industriestraße geführt sondern zwischen P&R Platz und den Gleisanlagen. Damit wird es keinen unfallträchtigen Begegnungsverkehr zwischen den Radlern und den parkenden PKW geben. Bürgermeister Faißt hatte diese Umplanung bei der Radverkehrsschau in 2011 zugesagt.

Auch die Radabstellung am Renninger NORD Bahnhof war wieder ein Thema: Auf der Südseite herrscht unter der Woche immer noch drangvolle Enge. Auch ist die Anlage schon lange nicht mehr „Stand der Technik“ - die Fahrräder können dort nur am Vorderrad (Stichwort „Felgenklemmer“), also nicht richtig sicher am Rahmen abgeschlossen werden. Im Zuge des Ausbaus für die S60 hinken die Modernisierungen bzw. die Installationen von Fahrradabstellanlagen auf dem meist bahneigenen Gelände hinterher, nicht nur hier sondern auch an den andern Bahnhöfen entlang der S60. Der ADFC hat seinen Unmut gegenüber dem VVS aber auch gegenüber den Kommunen bereits zum Ausdruck gebracht und ist auf verschiedenen Ebenen dazu aktiv. Zumindest auf der Nordseite des Renninger NORD Bahnhofs zeichnet sich dazu in Zusammenarbeit mit der Stadt bereits eine gute Lösung ab. Insgesamt gehören für den ADFC vermietbare Fahrradboxen zur Unterbringung von hochwertigen Fahrrädern und ggf. kleine Schließfächer (für Helm, Schirm etc. wie z. . in Filderstadt) zu einer guten Ausstattung mit dazu. Ein gutes Angebot an der richtigen Stelle kann aus ADFC-Sicht den Bedarf in der Bürgerschaft weiter verstärken, eine Umfrage unter den S-Bahn Nutzern, die ihre Räder am Renninger NORD-Bahnhof abstellen, hat dies im November letzten Jahres bestätigt.

Weiter gings dann entlang der NORD-SÜD Straße zum Renninger Bauhof  wo wir auf dessen Nordseite die aktuelle Unterführung für den Rad- und Fußgängerverkehr unter der S60 begutachteten – insgesamt eine gute, komfortable und von den Bürgern akzeptierte Lösung, die durch künftige Planungen des Landkreises bei der Sanierung der NORD-SÜD Straße keinesfalls verschlechtert werden darf.

Der ADFC sieht bei den aktuellen Planungsunterlagen der Haupt-Radwegverbindung zwischen Malmsheim und Renningen großes Gefahrenpotential in diesem Bereich. Für Radler würden die Aufstellmöglichkeiten beim Queren der Straße bei den geplanten Verschwenkungen, den engen Radien und einer reduzierten Wegbreite stark reduziert. Dadurch würde der Radverkehr in Stoßzeiten an der Ampel nur sehr zäh fließen können. Unsere Bedenken dazu wurden dem Landkreis mitgeteilt, die LKZ hatte darüber berichtet. Inzwischen gab es dazu auch ein Gespräch auf dem Landratsamt. Dabei wurden auch unsere Verbesserungsvorschläge für die geplante neue Unterführung am Rankbach südlich des Bauhofs sowie die Zufahrten erörtert und es zeichnet sich dafür eine radfahrgerechtere Gestaltung ab.

Abschließend ging es noch ins CABICO nach Malmsheim wo wir bei bestem Wetter, kühlen Getränken und lebhaften Diskussionen die diesjährige Radverkehrsschau ausklingen ließen.

Insgesamt stellte die Radverkehrsschau auch dieses Jahr wieder viele Beispiele für gute kommunale Radverkehrsförderung vor, man sah aber auch wo es noch krankt und wo noch unbedingt etwas für die Radfahrer getan werden sollte. Viele der Themen werden seitens des ADFC mit den Verantwortlichen in den Kommunen bzw. dem Landkreis direkt erörtert, für übergeordnete Belange wie z. B. dem Zugriff auf Landesfördermittel für den Radverkehr oder auch verbesserte Fahrradabstellung sind wir auch im Kontakt mit dem Regierungspräsidium bzw. dem Landesverkehrsministerium.


Die Veranstaltung wurde auch dieses Jahr wieder von allen Seiten positiv bewertet und der ADFC lud abschließend bereits wieder für die nächste, nunmehr 6te Radverkehrsschau in 2014 ein, vermutlich auch dann wieder an einem Maiwochenende. Da dann die nächsten Kommunalwahlen vor der Tür stehen, wird es von der ADFC Ortsgruppe in ihren Mitgliederkommunen sicher auch wieder einen Wahlprüfstein für die Bewerber zum Thema Radverkehrsförderung geben – denn die Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort in den Kommunen sind beträchtlich und sollten unbedingt wahrgenommen werden.

Jörg Stenner,
Sprecher ADFC Renningen-Rutesheim-Magstadt,

Tel.: 07159 17808
E-Mail: Renningen(..at..)adfc-bw.de

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