Ausbau der Radverbindung nach Stuttgart längst überfällig

Verkehrspolitik

Nicht der Ausbau der Römerstraße zur Radschnellverbindung ist ein Schildbürgerstreich, sondern die Tatsache, dass es seit vielen Jahren keinen gut und sicher zu befahrenden Radweg nach Stuttgart gibt!

Viele Jahre, nachdem die A831 gebaut war, zierte ein großes Schild die alte B14 beim Mönchsbrunnen: „Nicht motorisierter Verkehr nach Stuttgart“ war darauf zu lesen. Klammheimlich wurde es irgendwann wieder abgebaut. Der motorisierte Individualverkehr hatte sich diese Route in die Landeshauptstadt zurückerobert. Heute trauen sich nur noch die Wagemutigsten auf dieser Straße zur Arbeit zu pendeln. Eine zügig, sicher und komfortabel mit dem Rad zu befahrende Strecke zwischen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart, eine der am stärksten belasteten Pendlerachsen der Region, gibt es nicht mehr.

Die Römerstraße wurde die einzig sinnvolle Alternative zur alten B14. Einzig das Gerüttel auf dem Kopfsteinpflaster ist eine gewaltige Spaßbremse.

Trotzdem hat die Anzahl der Menschen, die diese Strecke mit dem Rad bewältigen, stetig zugenommen. Knapp 750 Fahrten, gezählt an an einem einzigen Tag in 2017, sprechen für sich. Insofern ist der geplante Ausbau der Römerstraße zu einer gut zu befahrenden Radschnellverbindung eine zwingende Notwendigkeit. Der Radverkehrsanteil von 7% am Gesamtverkehr in der Region hat großes Potential nach oben. Die Menschen hier sind nicht fauler als anderswo im Land, sie haben bisher aber die deutlich schlechteren Bedingungen.

Bei der Auswertung der alle zwei Jahre stattfindenden bundesweiten Umfrage zum Fahrradklima in den Städten wird besondere der Themenkomplex Radwege von den hiesigen Radlerinnen mit mangelhaft bewertet. Wer mit offenen Augen durch's Ländle fährt sieht sofort, warum sich Böblingen und Sindelfingen im landesweiten Vergleich auf den hintersten Plätzen wiederfinden: die jahrzehntelange einseitige Priorisierung des motorisierten Individualverkehrs und nur verschwindend geringe Investitionen in den Erhalt und die nachhaltige Erweiterung der Infrastruktur für den Rad- und Fußverkehr.

Insofern freut es mich sehr, dass der Kreistag die Verwaltung dazu ermächtigt hat, die Arbeiten für die Radschnellverbindung von Böblingen nach Stuttgart auszuschreiben und zu vergeben. Die große Mehrheit der Kreisräte belegt dadurch, dass sie auch diejenigen wieder verstärkt ins Blickfeld nimmt, die bei der Erfüllung ihrer Mobilitätsbedürfnisse dem täglichen Verkehrskollaps entgehen wollen, dabei etwas für den Klimaschutz leisten und ganz nebenbei auch ihrer Gesundheit noch ein großen Gefallen tun.

Den Städten Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart fällt nun die Aufgabe zu, die zwar vorhandenen aber mangelhaften Anschlussverbindungen an diese Strecke entsprechend den heute gültigen Standards auszubauen.

Roland Schmitt

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