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ADFC-Fahrradklima-Test 2020 im Bodenseekreis

Presseinfo Service Verkehrspolitik

Immenstaad wieder auf Platz 1, Überlingen erneut Schlusslicht, insgesamt stellen Radler keine Verbesserungen fest

Im aktuell veröffentlichten ADFC-Fahrradklima-Test 2020 zeichnet sich eine ähnliche Rangfolge der Bodensee-Kreisgemeinden ab wie vor zwei Jahren bei der letzten Befragung: Immenstaad und Meckenbeuren belegen Platz eins und zwei, Überlingen und Tettnang sind die Schlusslichter. Insgesamt lagen die von den Radlern vergebenen Schulnoten im Bereich von 3,3 bis 4,5.

Die Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer und das Sicherheitsgefühl wurden von den Befragten als die wichtigsten Kriterien bewertet. Viele Teilnehmer der Befragung fühlen sich aber beim Radfahren in ihrer Stadt oder Gemeinde nicht sicher. Dabei ließe sich mit kostengünstigen und schnell umsetzbaren Maßnahmen die Situation deutlich verbessern, beispielsweise durch Fahrradstraßen, mehr Tempo 30, bessere Führungen an Baustellen oder durch mehr Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen.

„Das reicht aber nicht“, so Bernhard Glatthaar, ADFC-Kreisvorsitzender im Bodenseekreis. „Die Menschen wollen Straßen, die einladend zum Radfahren sind. Dafür brauchen wir ein durchgängiges Netz an guten Radwegen. Der Bund hat mit dem Sonderprogramm Stadt und Land dafür ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt.“

Damit die Mobilitätswende gelingen kann, fordert der ADFC, den Ausbau des Radnetzes voranzubringen. Bernhard Glatthaar: „Es muss eine komfortable und sichere Infrastruktur geschaffen werden. Wir dürfen uns nicht mit Mindestmaßnahmen und -standards zufrieden zu geben, denn das wird der steigenden Anzahl Radfahrender nicht gerecht.“

Friedrichshafen

Friedrichshafen landete mit einer Schulnote von 3,7 (2018: 3,5) erneut auf dem dritten Platz im Bodenseekreis. Im Landesvergleich fiel Friedrichshafen ins Mittelfeld zurück. 327 Häfler Radfahrerinnen und Radfahrer haben 2020 an der bundesweiten Befragung teilgenommen. Sie kritisieren vor allem Konflikte mit Kfz und Fußgängern, die mangelnde Breite der Radwege und die Führung an Baustellen. Auch die Medienberichte fallen negativ auf. Positiv bewertet wurden der Winterdienst, die Reinigung der Radwege und der geringe Fahrraddiebstahl. Anerkannt wird auch das Radfahren durch Alt und Jung.

Gut die Hälfte (54 %) der Befragten sagt, Radfahren mache in Friedrichshafen eher Spaß. „Diese recht gute Bewertung zeigt, dass Friedrichshafen auf einem guten Weg ist. Gleichzeitig werden aber einzelne Radwege stark kritisiert wie in der Friedrichstraße oder auch die markierten Schutzstreifen“, so Bernhard Glatthaar. Viele Rückmeldungen beschreiben außerdem die Gefahren für radfahrende Kinder und die Dominanz des Kfz-Verkehrs. Eine Besonderheit des Fahrradklima-Tests in Friedrichshafen sind die relativ uneinheitlichen Bewertungen der insgesamt 327 Teilnehmer der Befragung.

Friedrichshafen liegt bundesweit auf Platz 24 von insgesamt 110 in der Kategorie der Städte zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern, im Landesvergleich auf Platz 7 von 15. Gegenüber dem letzten Test im Jahr 2018 hat sich Friedrichshafen in der Gesamtbewertung leicht verschlechtert, ein Trend, der sich seit 2014 fortsetzt.

Immenstaad

Mit einer Schulnote von 3,3 landete Immenstaad erneut auf dem ersten Platz der Städte und Gemeinden im Bodenseekreis. Auch im Landes- und Bundesvergleich belegt Immenstaad eine Platzierung weit vorne. 61 Immenstaader Radfahrerinnen und Radfahrer haben an der Befragung teilgenommen. Sie kritisieren vor allem die fehlende Fahrradmitnahme im Öffentlichen Verkehr, die zu geringe Breite vieler Radwege und die Fahrradförderung in jüngster Zeit. Positiv bewertet wurden die in Gegenrichtung geöffneten Einbahnstraßen, die gute Erreichbarkeit des Zentrums und die Möglichkeit zügig Rad zu fahren.

Schwerpunkte der Detailkritik lagen bei Konflikten auf dem Bodensee-Radweg im Ort und bei der Strecke nach Friedrichshafen mit dem Anschlussknoten an die B 31.

Immenstaad liegt bundesweit auf Platz 41 von insgesamt 418 in der Kategorie der Gemeinden unter 20.000 Einwohnern, im Landesvergleich auf Platz 7 von 74. Gegenüber den letzten Tests hat sich Immenstaad seit 2016 in der Gesamtbewertung nicht verbessert.

Kressbronn

Kressbronn erreichte 2020 erstmals mit 65 Teilnehmern die Mindestteilnehmerzahl von 50 und schaffte somit den Sprung in die Auswertung. Kritisiert werden vor allem die fehlende Fahrradförderung und die Konflikte mit Kfz beim Fahren im Mischverkehr. Positiv bewertet wurden die Nutzung des Fahrrades durch Alt und Jung, die Fahrradwegweisung und dass man zügig Radfahren kann.

Die Gemeinde landete mit einer Schulnote von 3,9 auf dem fünften Platz der sieben teilnehmenden Städte und Gemeinden im Bodenseekreis. Kressbronn liegt bundesweit auf Platz 207 von insgesamt 418 in der Kategorie der Gemeinden unter 20.000 Einwohnern, im Landesvergleich auf Platz 38 von 74. Eine Besonderheit des Fahrradklima-Tests in Kressbronn sind die relativ uneinheitlichen Bewertungen der insgesamt 65 Teilnehmer der Befragung.

Markdorf

Markdorf bekam von den Radlern eine Schulnote von 3,8 und nimmt erneut den vierten Platz der Städte und Gemeinden im Bodenseekreis ein.

Die 105 Markdorfer Radfahrerinnen und Radfahrer, die an der Befragung teilgenommen haben, kritisieren vor allem Konflikte mit Kfz und zu schmale Radwege. Auch fehlende öffentliche Fahrräder werden bemängelt. Positiv bewertet wurden vor allem die geöffneten Einbahnstraßen, die Reinigung der Radwege und die Fahrradwegweisung.

Mehr als die Hälfte (61 %) der Befragten sagt, Radfahren mache in Markdorf eher Spaß. „Diese recht gute Bewertung zeigt, dass Markdorf auf einem guten Weg ist. Gleichzeitig werden aber einzelne Radwege stark kritisiert wie in der Zeppelinstraße, am Bahnübergang oder an der B 33“, so Bernhard Glatthaar.

Markdorf liegt bundesweit auf Platz 175 von insgesamt 418 in der Kategorie der Städte unter 20.000 Einwohnern, im Landesvergleich auf Platz 31 von 74. Eine Besonderheit des Fahrradklima-Tests in Markdorf sind die relativ uneinheitlichen Bewertungen der insgesamt 105 Teilnehmer der Befragung.

Meckenbeuren

Meckenbeuren landete mit einer Schulnote von 3,5 erneut auf dem zweiten Platz der Städte und Gemeinden im Bodenseekreis. Im Landes- und Bundesvergleich liegt Meckenbeuren im vorderen Drittel der Bewertungen.

88 Meckenbeurer Radfahrerinnen und Radfahrer haben an der bundesweiten Befragung teilgenommen. Sie kritisieren vor allem die Gefahren im Mischverkehr mit Kfz auf der Fahrbahn. Auch fehlende öffentliche Leihräder werden bemängelt. Positiv bewertet wurden der Winterdienst und wenig Hindernisse auf Radwegen. Auch die Werbung fürs Radfahren wird positiv anerkannt.

Zwei Drittel der Befragten sagt, Radfahren mache in Meckenbeuren eher Spaß. „Diese recht gute Bewertung zeigt, dass Meckenbeuren auf einem guten Weg ist, aber es deuten auch viele Antworten in der Befragung auf Schwachstellen und Verbesserungsbedarf hin“, so Kathrin Romahn, ADFC-Ansprechpartnerin in Meckenbeuren.

Meckenbeuren liegt bundesweit auf Platz 93 von insgesamt 418 in der Kategorie der Städte unter 20.000 Einwohnern, im Landesvergleich auf Platz 17 von 74. Gegenüber dem letzten Test im Jahr 2018 hat sich Meckenbeuren in der Gesamtbewertung nicht verbessert.

Überlingen

Tettnang bekam eine Schulnote von 4,1 und nimmt erneut den vorletzten Platz der Städte und Gemeinden im Bodenseekreis ein. Auch im Landes- und Bundesvergleich gehört Tettnang zu den Schlusslichtern.

159 Tettnangerinnen und Tettnanger haben an der Befragung teilgenommen. Unzufrieden sind die Tettnanger Radfahrerinnen und Radfahrer vor allem mit dem fehlenden Sicherheitsgefühl und dem Stress bei Konflikten mit Kfz. Lichtblicke gab es beim Fahrraddiebstahl und bei den Abstellanlagen. Positiv wurden außerdem die Wegweisung und der Winterdienst bewertet.

Tettnang liegt bundesweit auf Platz 312 von insgesamt 418 in der Kategorie der Städte unter 20.000 Einwohnern, im Landesvergleich auf Platz 59 von 74. Gegenüber dem letzten Test im Jahr 2018 hat sich Tettnang in der Gesamtbewertung nicht verbessert.

Fast zwei Drittel (62 %) der Befragten sagt, Radfahren bedeute in Tettnang Stress, und 73 % finden, dass in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan wurde. Otto Remmert, ADFC-Ansprechpartner in Tettnang: „Diese schlechte Bewertung zeigt, dass Tettnang für die notwendige Mobilitätswende definitiv nicht genug tut! Wie will Tettnang das im Radverkehrskonzept von 2016 vereinbarte Ziel von 22% Radverkehrsanteil erreichen?“

Überlingen

Überlingen landete mit der Schulnote von 4,5 erneut auf dem letzten Platz der Städte und Gemeinden im Bodenseekreis. Aber auch im Landes- und Bundesvergleich zählt Überlingen zu den Schlusslichtern.

105 Überlinger haben Ende 2020 an der Befragung teilgenommen. Unzufrieden sind die Überlinger Radfahrerinnen und Radfahrer vor allem mit der fehlenden Förderung und Werbung fürs Radfahren und mit der mangelnden Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen. Lichtblicke gab es beim Fahrraddiebstahl und bei der Erreichbarkeit des Stadtzentrums. Positiv wurde außerdem bewertet, dass Alt und Jung in Überlingen Radfahren.

Die ADFC-Ansprechpartnerin für Überlingen, Prisca Resch sagt: „In der Corona-Zeit haben viele Menschen das Fahrradfahren für sich entdeckt, jedoch mangelt es am Sicherheitsgefühl auf Überlinger Straßen.“ 77 Prozent der Befragten fühlen sich beim Radfahren in Überlingen nicht sicher.

Drei Viertel (74 %) der Befragten sagt, Radfahren bedeute in Überlingen Stress, und 89 % finden, dass in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan wurde. „Dass Überlingen die zweitschlechteste Bewertung im Land Baden-Württemberg erhielt, zeigt, dass die Stadt definitiv nicht genug tut!“, so Prisca Resch.

Überlingen liegt bundesweit auf Platz 400 von insgesamt 415 in der Kategorie der Städte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern, im Landesvergleich auf Platz 65 von 66 Städten - nur Rottweil ist schlechter. Gegenüber dem letzten Test im Jahr 2018 hat sich Überlingen mit der Note 4,5 sogar noch verschlechtert (2018: 4,3).

Baden-Württemberg

Insgesamt haben es 164 Kommunen in Baden-Württemberg in die Auswertung des Fahrradklima-Tests geschafft – so viele wie nie zuvor. „Das Ergebnis zeigt, dass sich immer mehr Menschen mit dem Thema Radfahren und einer entsprechenden, sicheren Radinfrastruktur auseinandersetzen“, sagt Gudrun Zühlke, Landesvorsitzende des ADFC Baden-Württemberg.

Rekord: Rund 230.000 Teilnahmen, 1.024 Städte in der Wertung

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2020 zum neunten Mal statt. Rund 230.000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben bei diesem Durchgang abgestimmt, davon lediglich 15 Prozent ADFC-Mitglieder. 1.024 Städte kamen in die Wertung, mehr als jemals zuvor. Bei den 27 Fragen ging es darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Radwege sind und ob die Stadt in Zeiten von Corona das Fahrradfahren besonders fördert. Damit fundierte Ergebnisse erzielt werden, müssen pro Stadt mindestens 50, bei größeren Städten mindestens 75 beziehungsweise 100 Abstimmungsergebnisse vorliegen. Die Ergebnisse des Tests haben durch die breite Bürgerbeteiligung hohe Aussagekraft und können Kommunen helfen, das Angebot für Radfahrende gezielt zu verbessern. 

Über den ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit über 200.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Der Kreisverband Bodenseekreis hat 900 Mitglieder und setzt ich auch in Friedrichshafen für den Radverkehr ein.

Die detaillierten Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020 finden Sie auf www.fahrradklima-test.adfc.de. Die digitale Pressemappe gibt es auf www.adfc.de/presse.

 

Kontakt

ADFC Kreisverband Bodenseekreis

Bernhard Glatthaar

Kreisvorsitzender

bernhard.glatthaar(..at..)adfc-bw.de

 

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