Auch im Verkehr spürbar

Im Straßenverkehr treffen verschiedene Interessengruppen aufeinander. Es gibt eine „Hierarchie der Stärke“: Motorisierter Verkehr, Radverkehr und am schwächsten Ende die Fußgänger*innen. Verstöße gegen Verkehrsvorschriften wirken sich meist zu Lasten anderer Verkehrsteilnehmer aus. Mal parkt ein Kfz „nur kurz“ auf dem Radweg, mal flitzt ein Radfahrer ohne anzuhalten fahrend über den Zebrastreifen usw. Die einzelnen Gruppen brauchen sich dabei gegenseitig überhaupt nichts vorhalten, aus jeder Gruppe werden zahlreiche Verstöße begangen.

Wie jedoch manche auf solche Verkehrsverstöße von anderen reagieren, macht immer mehr nachdenklich. Da macht ein Autofahrer schon mal eine gefährliche Lenkbewegung, um einen Radfahrer abzudrängen, er soll gefälligst auf dem Radweg fahren. Steht ein Auto halb auf dem Schutzstreifen für Radfahrer, verpasst ein Radfahrer auch mal der Beifahrertür am Vorbeifahren einen Fußtritt. Beleidigungen mit dem Stinkefinger sind da geradezu harmlos.

Manchen Verkehrsteilnehmern wäre dabei anzuraten, sich über ihr Verhalten im Straßenverkehr einmal vorher zu informieren, ehe man ein Urteil fällt und auf solche Weise reagiert. Nicht nur, dass solches Verhalten strafbar ist, oft befindet man sich auch mit seiner Meinung im Unrecht.

Ein „Gehweg, Radfahrer frei“ ist als Ausnahme gedacht. Radfahrer*innen fahren hier zu Recht meist auf der Straße. Auf dem Schutzstreifen ist zwar das Parken verboten, nicht aber automatisch auch das Halten. Und an Zebrastreifen darf man zwar – wie an jeder anderen Stelle der Straße auch – zwar mit dem Fahrrad drüberfahren wenn frei ist, aber man darf kein Vorrecht beanspruchen. Gelingt es einem Autofahrer in solch einer Situation nicht mehr, rechtzeitig anzuhalten und kommt es zum Unfall, dann zieht man sich nicht nur teils schwere Verletzungen als Radfahrer zu, sondern ist unter Umständen sogar zu 100 % am Unfall schuld.

Manche Verstöße sind ganz offensichtlich, bei manchen trügt jedoch der Schein und man ist überrascht, wenn man sich eingehender informiert.

Das Internet bietet zahlreiche Seiten, die über Verkehrsvorschriften informieren. Man sollte jedoch darauf achten, dass es seriöse Seiten sind, auf manchen informieren Uninformierte noch Uninformiertere. Verkehrsverbände wie ADFC, VCD, ADAC, Verkehrswacht bietet jedoch gute Informationen in Sachen Verkehrsrecht.

Aber auch vor Ort gibt es immer wieder Gelegenheit sein Wissen aufzufrischen: ADFC Kreisverbände bieten Informationsabende und Broschüren an und alle Teilnehmer von „Move“, dem Fahrrad-Trainingsprogramm von Uwe Peschel und seinem Team in unserer Region werden vor Beginn der Saison ebenfalls in Sachen „Verkehrsrecht für Radfahrer“ unterrichtet. Und nicht zuletzt gibt es auch vielerlei Literatur in Sachen Verkehrsrecht.

Wissen, was man selbst darf, Verständnis für die Situation des anderen und ein gerütteltes Maß Gelassenheit trägt zu einem viel entspannteren Teilnehmen am Verkehr bei, egal, ob zu Fuß, auf dem Rad oder im Auto.

(Hans Schöpf, Rechtsanwalt)

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