Der Schilderwald am Bodensee

Kaum zu glauben, welche Schilder die Behörden manchmal aufstellen.

Falsche und unnötige Beschilderungen behindern die Wahrnehmung und verringern die Beachtung der tatsächlich wichtigen und richtigen Schilder. Wer nimmt Schilder überhaupt noch ernst?

Komisch ist, dass solche - zum Teil haarsträubenden - Beschilderungen vorwiegend auf Radwegen anzutreffen, beim Kraftfahrzeugverkehr auf der Fahrbahn dagegen sehr selten sind. Gibt es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen den vielen falschen Beschilderungen auf Radwegen und der leider vorkommenden Ignoranz vieler Radfahrer gegenüber den Verkehrsregeln...?

Interessant ist, dass man z.B. in der Schweiz keine solchen wirren Beschilderungen für Radfahrer findet. Die Erfahrung zeigt, dass Verkehrswege für Radfahrer in der Schweiz einen höheren Stellenwert haben als anderswo, was sich auch auf die Sorgfalt bei der Beschilderung auswirkt.

Hier kommen die tollsten Fahrrad-Beispiele aus der Bodenseeregion, aber auch von weiter her (Bilder: Bernhard Glatthaar, Gerd Hanebeck, Theo Mahler, Oliver Zimmerhakl).


Gesehen in Friedrichshafen an der Paulinenstraße.
Das Radweg-Ende kommt erst in 100 m, doch das Fahrverbot (Zeichen 250) ab sofort. Was jetzt?


Gesehen an der B31 zwischen Fischbach und Immenstaad.
Die Zeichen 250 (Verbot für Fahrzeuge aller Art) und das Zeichen 254 (Verbot für Radfahrer) sind doppelt gemoppelt. Auch die beiden gelben Wegweiser (Zeichen 442) zeigen den Übereifer der Behörde und der Baufirma.


Gesehen in Gießenbrücke an der K7709.
Es wirkt fast wie eine Leistungsschau der Verkehrsbehörde: Mann, haben die viele Schilder im Angebot...


Gesehen in Meersburg.
Mein Favorit. Denn Radfahrern ist nur auf der Fahrbahn erlaubt, sogar mit Benutzungspflicht. Das Sackgassenschild (links) ist eine spezielle, missglückte Schöpfung.


Gesehen in Friedrichshafen an der Rotach.
Ein Fußweg (Zeichen 239) darf nicht befahren werden. Hier ist es auf eigene Gefahr. Logisch ist das nicht.


Gesehen an der Neuen Messe Friedrichshafen.
Das Schild befindet sich auf der Brücke zur Messe (Fahrradroute), auf der Radler absteigen sollen. Warum baut man die Brücke nicht so, dass Radler darauf fahren können? Der handschriftliche Kommentar "wozu?" ist nachvollziehbar.


Gesehen an der Friedrichstraße in Friedrichshafen.
Das Zeichen 240 (gemeinsamer Fuß- und Radweg) passt nicht mit der Abtrennung im Pflasterbelag zusammen (früher war es einmal ein getrennter Fuß- und Radweg mit Z241). Beobachtungen und Gespräche zeigen, dass die Bevölkerung sich vorwiegend an den Trennstreifen hält und das Schild nicht beachtet. Ärger und Konflikte sind die Folge, und die Verkehrsbehörde schaut seit Jahren zu.


Gesehen in Leimbach bei Markdorf.
Irgendjemand möchte, dass hier keine Mofas fahren. Das Zeichen 240 schließt diese aber bereits aus. Sind Mofas nur auf Radwegen verboten, wo auch dieses Zusatzschild hängt (...könnte ein findiger Mofafahrer denken)?


Gesehen in Friedrichshafen, Paulinenstraße.
Radweg oder kein Radweg, das ist hier die Frage. Wo soll ich fahren? Nach wenigen Metern müssen sich auch Fußgänger in Luft auflösen.


Gesehen in Friedrichshafen, Allmannsweiler.
Schon wieder keine Profis am Werk. Fahrverbot (Zeichen 250), aber dennoch ein Radweg? Das passt nicht zusammen.


Gesehen in Friedrichshafen, Zeppelinstraße.
Fahrverbot (Zeichen 250), aber der Radweg geht weiter. Das passt nicht zusammen.


Gesehen an der B31 bei Immenstaad, Kläranlage.
Das Zeichen 260 erlaubt Radfahrern die Durchfahrt, deshalb muss man sie nicht zusätzlich freigeben. Wieder keine Profis am Werk.


Gesehen in Kressbronn, Bodanstraße.
Tatsache ist, dass in 30er-Zonen keine Radwege beschildert werden dürfen.


Gesehen in Friedrichshafen, Werastraße.
Die einmündende Einbahnstraße ist für Radler freigegeben, deshalb müsste auch der Geradeauspfeil mit "Radfahrer frei" ergänzt werden.


Gesehen an der B31 in Kirchberg.
Das Zeichen 239 "Fußweg" schließt Radfahrer aus, deshalb ist das Verbot für Radfahrer (Zeichen 254) überflüssig.


Gesehen an der L207 in Kluftern
Monatelang nervt der provisorische Asphaltbelag auf dem Radweg. Ein kreativer Radler erfand ein passendes Schild dazu (Bild: G. Hanebeck).


Die Eckenerstraße in Friedrichshafen während des Seehasenfestes.
Die Intention der Verkehrsbehörde ist verständlich, doch die Umsetzung jämmerlich. Wie kann man nur diese beiden Schilder kombinieren? Kein Radler sieht es ein, solch eine unsinnige Beschilderung zu befolgen.


In Hagnau - kurz nach der Steigung - in Fahrtrichtung Kirchberg
Preisfrage: Dürfen Radfahrer das blaue Schild missachten, wenn das gesonderte Hinweisschild für Radfahrer fehlt?


Die Paulinenstraße in Friedrichshafen
Auf dieser Strecke, der B30 und einer wichtigen Radverkehrsachse, ist fast immer irgendwo auf dem Radweg eine Baustelle, die meistens falsch ausgeschildert ist, vgl. Bilder 1 und 10 (Bild: T. Mahler).


Immenstaad, Friedrichshafener Straße
Eine Wegweisung nach links für nicht näher definierte Verkehrsteilnehmer, aber für Fahrradfahrer frei. Diese Logik soll jemand verstehen (Bild: G. Hanebeck).


Friedrichshafen, Radroute zur Messe
Die Sperrung dieser Brücke, die im März von hunderten Fußgängern und Radfahrern auf dem Weg zur IBO-Messe - illegal - benutzt wurde, war von der Messe wohl etwas unüberlegt beschildert worden.


Meersburg, Uferpromenade an der Therme:
Das Zeichen 241 ordnet einen getrennten Rad- und Fußweg an. Heißt das in diesem Fall, dass die Fahrbahn der Radweg ist und dort somit keine Kraftfahrzeuge mehr fahren dürfen? Aber vermutlich wollte einfach jemand die Durchlässigkeit der Sackgasse für Radfahrer kennzeichnen und hat ein Radwegschild verwendet, das gerade übrig war...


Meersburg, Uferpromenade in Haltnau
Noch eine kreative, aber falsche Radwegbeschilderung aus Meersburg: Der Weg links ist für Radfahrer gesperrt, rechts verläuft die Straße der Uferpromenade. Wo soll hier ein Radweg sein? Vor allem das Zusatzschild "nur auf der Fahrbahn" gibt zu denken. Es stammt vermutlich vom Yachthafen (siehe Bild 4) wo es mittlerweile abgebaut werden musste.


Friedrichshafen, Charlottenstraße, Einfahrt zur Tiefgarage des technischen Rathauses und der Sparkasse Bodensee
Wir wissen, dass die Rampe hinab in die Tiefgarage vor allem bei Nässe für Radler gefährlich ist, es gab schon Unfälle, deshalb ist die Zielsetzung der Beschilderung nachvollziehbar.
Doch was soll bitte ein durchgestrichenes Radfahr-Verbotsschild? Das ist eine doppelte Verneinung! Weder der Erfinder des Schildes noch der Schilderhersteller noch die Person, die es montiert hat, war offensichtlich aufmerksam bei der Arbeit. Gottseidank gilt wenigstens die StVO...


Gesehen in Rettenberg im Oberallgäu
Eigentlich sollen hier Radfahrer absteigen, damit sie nicht auf dem Gehweg fahren. Doch das Schild "Radfahrer absteigen" ist eher ein Beweis für eine falsche Radwegplanung, zumal es ohne rechtliche Wirkung ist.
Für den Wirt des Gasthofs Engel ist es eine willkommene Werbung, für ein "Radler" abzusteigen...


Wieder eine Baustelle in Friedrichshafen, hier an der Hofener Straße.
Tagsüber wurde hier gearbeitet, die Baustelle war während dieser Zeit zu Recht aus Sicherheitsgründen gesperrt. Trotzdem gab es für diese wichtige Schüler-Fahrradroute keine ausgeschilderte Umleitung. Warum wurde diese Beschilderung über ein verlängertes Wochenende nicht geändert, während die Stelle gefahrlos befahren werden kann? Auch die Anwohner möchten gerne zu ihren Wohnungen, was soll diese "Menschen-Verbotszone"?



Gesehen in Landshut
Diese Beschilderung muss schon recht alt sein, denn - abgesehen von der Winterräumung - die Benutzungspflicht solcher naturnahen Wege ist schon seit langer Zeit nicht mehr in der StVO vorgesehen (Bild: O. Zimmerhakl).


Aber auch in anderen EU-Ländern sind die Behörden kreativ, wie folgende Beispiele belegen:

Gesehen am Brenta-Radweg im Veneto in Italien
Vielleicht gibt es in Italien eine Straßenverkehrsordnung, die so eine unnötige Beschilderung vorschreibt. Aber verstehen muss man es nicht.


Gesehen in Treviso in Norditalien
Nicht nur in Treviso findet man an vielen straßenbegleitenden Radwegen in Italien bei Einmündungen diesen Schilderwald. Mit einem vernünftigen Radweg hat das nichts zu tun.


Gesehen bei Verona
Man kann ja schon mal einen Radweg anlegen, vielleicht kommt irgendwann noch die dazu gehörende Brücke.


Auch bei Verona gesehen
Sicher ist sicher, dachte sich ein Schilderexperte...


Gesehen südlich von Kopenhagen
Auch im oftmals vorbildlichen Fahrrad-Land Dänemark findet man vereinzelt einen Schilderwald.


Das Allerletzte, gesehen in Salzburg.

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