Interview mit Oberbürgermeister Büchelmeier

In unserer Interviewreihe beantwortete der Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen, Josef Büchelmeier, vier Fragen von Bernhard Glatthaar.

ADFC: In Friedrichshafen benutzt nahezu jeder vierte Häfler für Erledigungen in der Stadt sein Rad (Gesamtverkehrsplan 1995). Welche Vorteile für eine Stadt sehen Sie durch die konsequente Förderung des Radverkehrs?

Büchelmeier: Fahrradfahren ist gesund, zeit- und platzsparend, umweltverträglich und höchst kommunikativ. Zwar benötigt auch ein gut funktionierender Radverkehr Straßenverkehrsfläche und erhebliche Geldmittel, doch weit weniger als jedes andere Verkehrsmittel. Weniger Autoverkehr macht die Stadt auch ruhiger und angenehmer.

ADFC: Was können Sie als Oberbürgermeister zur Förderung des Radverkehrs beitragen?

Büchelmeier: Der Arbeitskreis Radverkehr, der mit den beteiligten städtischen Ämtern in den letzten Jahren vieles zur Verbesserung der Radverkehrs-Infrastruktur in Friedrichshafen geleistet hat, arbeitet auch in meinem Auftrag und ich verfolge aufmerksam seine Fortschritte. Der weitere Ausbau des Radverkehrs ist für mich ein wichtiger Bestandteil der laufenden Stadtentwicklungsplanung. Und natürlich fahre ich selbst auch Rad, so oft es geht.

ADFC: Wo sehen Sie in Friedrichshafen für den Radverkehr den größten Handlungsbedarf, wo ist Friedrichshafen bereits vorbildlich?

Büchelmeier: Vorbildlich sind in meinen Augen das erreichte Angebot an Fahrrad-Abstellanlagen in der Innenstadt und die systematisch ausgebauten Radwege von den Ortschaften und Außenbezirken ins Zentrum. Auch besitzen nur wenige Städte ein so ambitioniertes Radverkehrskonzept wie Friedrichshafen. Verbesserungswürdig halte ich nach wie vor die Radverkehrsachsen durch die Innenstadt, den Ausbau der Radrouten abseits der Hauptverkehrsstraßen, beispielsweise von Fischbach/Manzell und von Waggershausen zum Hochschul-Campus im Fallenbrunnen, und die Beschilderung der Radwege nach dem Vorbild der Wanderwege, womit wir in diesem Frühjahr beginnen wollen.

ADFC: In welcher Rolle sehen Sie den ADFC heute und morgen?

Büchelmeier: Der ADFC ist ein kompetenter Interessensvertreter des Radverkehrs in Stadt und Kreis. Seine Mitarbeit im städtischen AK Rad erlebe ich als ausgesprochen konstruktiv. In den Großbetrieben sind seine Mitglieder wichtige Multiplikatoren, was sehr zum Erfolg der Agenda-Initiative „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“ beigetragen hat. Die Bewusstseinsbildung über die Vorteile des Radverkehrs bleibt auch in Zukunft eine vorrangige Aufgabe, bei der ich mir eine enge Zusammenarbeit mit dem ADFC wünschen würde.

(2003)

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