Interview mit Helmut Reitemann

Kreis-Dezernent Helmut Reitemann ist u.a. für den Kreisstraßenbau zuständig. Bernhard Glatthaar stellte folgende Fragen an ihn.

ADFC: Herr Reitemann, wo liegen in Ihrem Dezernat die Berührungspunkte zum Radverkehr?

Reitemann: Durch die Verwaltungsreform ist seit 1. Januar 2005 das Straßenbauamt in mein Dezernat eingegliedert worden. Damit ist der Landkreis nun neben dem Straßenbetriebsdienst (d.h. Unterhaltung, insbesondere Winterdienst) auch für die Planung und den Bau von Kreisstraßen verantwortlich. Damit ist bei jeder Kreisstraßenmaßnahme mit zu entscheiden, ob und in welchem Umfang auch bauliche Maßnahmen für den Radverkehr erforderlich sind.

ADFC: Wo gibt es aus Ihrer Sicht den größten Handlungsbedarf für den Radverkehr im Bodenseekreis, und wo konnte der Kreis in den letzten Jahren spürbare Fortschritte erzielen?

Reitemann: Aus meiner Sicht ist der größte Handlungsbedarf in der Vernetzung der bestehenden Radwegeverbindungen zu sehen. Das bedeutet zum Einen die bauliche Schließung von Radweglücken, insbesondere zum Anschluss des "Hinterlandes" an den Radverkehr im seeufernahen Bereich, und zum Andern die Anbringung einer durchgängigen Beschilderung von Radwegeverbindungen, die auch den ortsunkundigen sicher an sein anvisiertes Ziel führt.

Der Bodenseekreis hat in seinem mittelfristigen Kreisstraßenausbauprogramm auch einen Programmteil "Radwegebau" ausgewiesen. Hier konnten in den letzten Jahren an folgenden Radwegen folgende bauliche Maßnahmen umgesetzt werden:

- Tannau - Laimnau
- Liebenau - Siggenweiler
- Altheim - Frickingen
- OD Unterteuringen - Oberteuringen
- Markdorf - Grünwangen - Untersiggingen
- Weildorf - Beuren
- Jettenhausen - Berg (bei FN)
- Oberteuringen - B 33
- Heiligenberg - Waldparkplatz
- Neukirch - Kreisgrenze
- Kressbronn - Berg
- Reutemühle - L 200
- Andelshofen - L 200 (Realisierung demnächst)

 Um eine durchgängige, kreiseinheitliche Beschilderung umsetzen zu können, ist im Vorfeld eine umfangreiche Erhebung der Radwegverbindungen und der erforderlichen Schilder notwendig. Hier arbeitet das Landratsamt Hand-in-Hand mit dem Arbeitskreis "Radwegweisung" zusammen, um ein kreiseinheitliches Konzept, das dann von den verschiedenen Straßenbaulastträgern umgesetzt werden kann, zu erarbeiten. Zu Beginn des Jahres 2006 werden weitere Sitzungen des Arbeitskreises stattfinden.

ADFC: Wo liegen für den Landkreis die Schwerpunkte für den Radverkehr in den kommenden Jahren?

Reitemann: Der Schwerpunkt liegt eindeutig bei der einheitlichen Beschilderung. Es muss nun gelingen, möglichst schnell ein einheitliches Konzept zu erarbeiten, um dann mit den Städten und Gemeinden, dem Regierungspräsidium als Vertreter für die Landes- und Bundesstraßen sowie in Abstimmung mit dem Kreistag einen Aktionsplan zur Umsetzung dieser Beschilderung aufzulegen.

Den Arbeitskreis "Radwegweisung" werden wir Anfang 2006 einberufen, sobald alle vorliegenden Grunddaten erfasst sind.

Bauliche Maßnahmen können nur im Zusammenhang mit anstehenden Kreisstraßenbaumaßnahmen, für die eine staatliche Förderung gewährt wird, verwirklicht werden. Separate Maßnahmen sind aufgrund der schwierigen Finanzlage des Kreises derzeit nicht finanzierbar.

ADFC: Was erhoffen Sie sich von der Zusammenarbeit mit dem ADFC?

Reitemann: Zum einen wünsche ich mir einen sehr offenen und konstruktiven Dialog und viele positive Anregungen zum Thema Radverkehr, zum anderen auch die tatkräftige Mithilfe im Arbeitskreis „Radwegweisung", insbesondere bei der Erhebung der Grunddaten. Andererseits aber auch das Verständnis dafür, dass aufgrund der finanziellen Situation der Kommunalhaushalte nicht alles, was wünschenswert ist, auch (kurzfristig) realisierbar sein wird.

(2006)

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