Interview mit Daniela Pahl

Am Bodensee wird viel geradelt, vor allem im Sommer. Deshalb stellten wir Fragen an die Geschäftsführerin der Internationalen Bodensee-Tourismus GmbH, Daniela Pahl.

ADFC: Welchen Vorteil des Radfahrens schätzen Sie persönlich?

Pahl: Es ist eine gesunde Form der Fortbewegung von A nach B und der Freizeitbeschäftigung, z. B. als Wochenendausflug. Es ist ideal, wenn man die Landschaft erleben möchte - im Urlaub, zu Hause oder wenn man die Gegend kennen lernen möchte. Meine Zeit im Münsterland hat mir das Radfahren näher gebracht, denn dort habe ich mich in doppelter Hinsicht damit auseinandergesetzt: Von Berufswegen und weil es zur dortigen Identität gehörte. Und zugegebenermaßen habe ich die “geringe Reliefenergie", wie ich von meinen dortigen Geographiekollegen lernen konnte, geschätzt.

ADFC: Vor der IBT waren Sie im Münsterland tätig. Wie beurteilen Sie im Vergleich hierzu die Bodenseeregion?

Pahl: Wie gesagt, im Münsterland gehörte die “Leeze” zum Lebensgefühl - eine gute Voraussetzung für die Vermarktung und die Authentizität der Markenbildung einer Region. In der Bodenseeregion ist das Thema Radfahren ebenfalls eine der wichtigsten thematischen Angebotssäulen. Aufgrund der Vielfalt der Landschaften rund um den Bodensee und der Breite des Angebots würde ich den Stellenwert in Relation zum gesamten Tourismusspektrum jedoch geringer einschätzen, auch wenn absolut gesehen die Zahl der Radurlauber natürlich weit höher liegt. Dass das Thema in der thematischen Vermarktung und Profilbildung der Region jedoch noch mehr Potenzial birgt, glaube ich jedoch auch.

ADFC: Was ist aus Ihrer Sicht in Sachen Radfahren am Bodensee bereits vorbildlich, und wo sehen Sie noch konkreten Handlungsbedarf?

Pahl: Die Vermarktung und der Service im Zusammenhang mit dem Aushängeschild des Bodensee-Radweges sind sehr gut. Ich finde es allerdings schade, dass dabei sämtliche andere schöne Touren am See und im Hinterland etwas zu kurz kommen. Dadurch finden eine Vernetzung mit dem Hinterland, eine Besucherlenkung und damit die Entlastung des seenahen Weges nicht statt. Hier würde eine Vernetzung in der Vermarktung oder durch eine einheitliche Beschilderung sicher helfen. Natürlich ist so etwas bei den unterschiedlichen Regionen, Landkreisen, Bundesländern und Ländern schwieriger als in einer politisch homogenen Region. Aber man müsste so etwas angehen. Ich kann mir vorstellen, dass man dem Gast das Produkt aus einer Hand anbietet, indem man hier einen GPS-Tourenführer zum Einsatz bringt, der zum einen über die verschiedene Beschilderungssysteme hinweg helfen kann, besucherlenkend wirkt und zum anderen touristisch interessante Themen, wie Wein- oder Genussrouten mit dem Radfahren verknüpfen kann. Grundsätzlich fehlt in der Wahrnehmung der Bodenseeregion u.a. die Themenprofilierung auch über das Thema Radfahren.

Die Fragen stellte Bernhard Glatthaar (2005).

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