Friedrichshafen

20 Jahre "FahrRad in FN" - ein Rückblick

Ein Rückblick auf zwei Jahrzehnte städtische Förderung des Radverkehrs war das Thema der 26. Radtour „Radlers Höhen und Tiefen in Friedrichshafen“ des ADFC Bodenseekreis.

Es begann 1992 öffentlichkeitswirksam mit der ersten verkehrspolitischen Radtour und Presseaktionen, in denen der ADFC Verbesserungen für Radfahrer einforderte.
Als Konsequenz reifte Mitte der neunziger Jahre in der Stadtverwaltung Friedrichshafen die Erkenntnis, dass eine Förderung des Radverkehrs unumgänglich sein würde. 1995 wurde der städtische Arbeitskreis Radverkehr gegründet, welcher seither in 149 Sitzungen Verbesserungen für Radfahrer diskutiert und die Umsetzung begleitet hat.

 

1996 fand ein öffentlicher Ideenwettbewerb statt, bei dem 500 Ideen aus der Bevölkerung eingingen. Darauf aufbauend entstand das erste städtische Radverkehrskonzept, erarbeitet vom Schweizer Ingenieurbüro Metron. Die Ideen von Metron waren für viele politische Vertreter und Verwaltungsmitarbeiter gewöhnungsbedürftig, denn die Planungen stellten das gewohnte autofixierte Denken in Frage.

Im Jahr 2000 beschloss der Gemeinderat das erste städtische Radverkehrskonzept. Die Umsetzung stellte sich von Anfang an als schwierig heraus, denn sowohl die zuständigen Ämter der Stadtverwaltung als auch der Gemeinderat taten sich schwer mit der Finanzierung und Priorisierung der Maßnahmen. Auch die personellen Ressourcen waren nie ausreichend, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen.

Nach Jahren der Stagnation bei der Umsetzung des Radverkehrskonzeptes wurde 2012 eine Fortschreibung durch das Planungsbüro VIA beauftragt. 2013 beschloss der Gemeinderat das zweite Radverkehrskonzept mit vielen kleinen Maßnahmen, aber auch großen Projekten wie ein Radschnellweg und der Veloring.

Nichtinvestive Maßnahmen wie zum Beispiel die Öffentlichkeitsarbeit werden in Friedrichshafen traditionell kaum durchgeführt. Auch bei der Realisierung verkehrsrechtlicher Maßnahmen oder Führungen Baustellen für den Radverkehr, welche ohne hohe Investitionen realisiert werden können, besteht noch Verbesserungspotential. Auf eine ämterübergreifende Radverkehrsplanung, die Berücksichtigung des Fußverkehrs im Straßenverkehr und eine Vernetzung der Verkehrsmittel sollte zukünftig stärker geachtet werden. Der ADFC hält deshalb ein umfassendes Mobilitätskonzept und eine daran ausgerichtete Struktur in der Stadtverwaltung für unverzichtbar, um diese wichtige Zukunftsaufgabe erfolgreich zu meistern.

Friedrichshafen hat in den letzten 20 Jahren im Vergleich zu anderen Städten in der Region zahlreiche beispielhafte Radverkehrsanlagen realisiert, welche die Verkehrssicherheit und der Attraktivität des Radfahrens erhöht haben. Gleichzeitig fehlt oftmals an entscheidenden Stellen – vor allem an größeren Verkehrsknoten – eine sichere Radverkehrsführung, so dass kein sicheres durchgehendes Radnetz in der Stadt besteht. Die subjektive Gefährdung ist insbesondere für Kinder und Senioren ein Hemmnis, das Rad öfters für Alltagswege zu benutzen.

Bei der Radtour wurden sowohl gute Beispiele für Radverkehrsanlagen als auch bestehender Handlungsbedarf an problematischen Stellen besichtigt und diskutiert. Die Bandbreite reichte von ersten Maßnahmen des Metron-Radverkehrskonzeptes aus dem Jahre 2000 bis zu laufenden Projekten wie der Veloring am Bodensee-Center. An den Stationen wurden Markierungen, Fahrbahnoberflächen, Fahrradabstellanlagen, Wegweiser und vieles mehr diskutiert.


Der fast fertig gebaute Veloring war einer der Besichtigungspunkte.


Auch Freddy Pfleiderer, städtischer Behindertenbeauftragter, nahm an der Radtour teil.


Treue Teilnehmer der Radtour (v.l.): Die ADFC-Mitglieder Rudi Duelli, Rolf Link und Sabine Duelli.


Die Stadträtinnen Christine Heimpel (links) und Regine Ankermann auf dem neuen Veloring.


Von links: Stadtrat Gerhard Leiprecht, Tobias Gähr (Leiter Straßenbauamt), Stefan Valentin (Stadtbauamt) und Erster Bürgermeister Dr. Stefan Köhler auf dem neuen Veloring.


In der Ailinger Straße wurden die mangelhaften Plattenbeläge inspiziert.

Die vollständige Dokumentation der Radtour kann hier heruntergeladen werden.

 

(Text und Fotos: Bernhard Glatthaar)


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