Erfolge des ADFC für Radfahrer


Sitzungen, Briefe, Stellungnahmen und Presseartikel gehören zum Tagesgeschäft eines Interessenverbandes. Auch der ADFC - auf Kreisebene ehrenamtlich organisiert - lässt nicht locker, wenn es um die Belange des Radverkehrs geht.
Misserfolge und Frust sind an der Tagesordnung, wenn um Verbesserungen für Radfahrer diskutiert und gestritten wird. Mitarbeiter der Kommunalverwaltungen und der Kommunalpolitik verstehen oft nicht, warum die Bedingungen für Radfahrer verbessert werden müssen. Hier ist ein langer Atem gefragt, aber auch Kompetenz und Überzeugungskraft.

Doch manchmal schaffen wir es trotzdem, Planer und Politiker mit unseren Ideen zu infizieren und unsere Vorschläge zur Umsetzung zu bringen. Das sind die besonderen, unvergesslichen Momente des ehrenamtlichen Engagements.

Warum lohnt es sich, den ADFC zu unterstützen? Sehen sie selbst.

Fährebesetzung (1995)

Die Beförderungstarife auf der Fähre zwischen Friedrichshafen und Romanshorn waren für Radfahrer im Vergleich zu Autofahrern sehr ungerecht. Ein Rechenbeispiel ergab, dass eine vierköpfige Familie in einem Auto mit vier Fahrrädern auf dem Autodach günstiger die Fähre benutzen kann, als wenn sie nur mit den Fahrrädern unterwegs wäre. Auch der rechnerische Preis für die Fläche, die auf der Fähre in Anspruch genommen wird, fiel für Radfahrer ungünstig aus: 3,25 DM pro Quadratmeter für Autofahrer, 15 DM für Radfahrer. Nach erfolglosen Versuchen, die Verantwortlichen der Bodensee-Schiffsbetriebe umzustimmen, wurde kurzerhand eine Fähre besetzt und für günstigere Preise gestreikt.
Ergebnis: Die Bodensee-Schiffsbetriebe führten eine Mehrfahrtenkarte für Personen mit Fahrrädern ein.


Günther Schmid (im Bild rechts), Organisator der Aktion, und Gerhard Leiprecht,  damaliger ADFC-Kreisvorsitzender (zweiter von rechts).

 

Der Radlertunnel im Seewald (1999)

Beim Bau des Zubringers vom B30-Kreisverkehr im Seewald zur Flugplatzstraße in Friedrichshafen hatte das Straßenbauamt geplant, den Radweg um die Rampe herum bis zur Bahnlinie und dann zurück zur B30 zu führen. Der ADFC-Vorschlag war dagegen, möglichst nah zur B30 einen Radler-Tunnel zu bauen, um den Umweg so gering wie möglich zu halten. Natürlich lenkte das Straßenbauamt nicht sofort ein, sondern erst nach einer Presseaktion wurden unsere Argumente ernst genommen. 
Schließlich wurde die Radlerröhre wie von uns vorgeschlagen gebaut und unter dem Beisein des Lokalfernsehens vom Straßenbaumat und dem ADFC eingeweiht.

 
Die - zugegeben laienhafte - ADFC-Skizze (1999) mit dem Vorschlag, den Radweg durch eine Röhre mit einem möglichst geringen Umweg an der B30 zu führen.


Der ehemalige Leiter des Straßenbauamtes, Hartmut Kohler, bei der Eröffnung des "ADFC-Tunnels" am Seewaldkreisel der B30, im Interview mit SeeTV.

Radfahrstreifen auf der Keplerstraße und Albrechtstraße in Friedrichshafen (2002)

Es war ein großer Erfolg des ADFC: Die Verschmälerung der Kepler- und Ehlersstraße von vier auf zwei Fahrstreifen zu Gunsten von Radfahrstreifen und Querungshilfen. Möglich wurde der Rückbau durch die Verlagerung des Durchgangsverkehrs auf das Teilstück IIA der B31 neu, welches 2001 eröffnet worden war.
Der ADFC leistete Überzeugungsarbeit dafür, zeitgleich mit der Eröffnung der B31-Umgehung  die innere Umgehung konsequent aufs nötige Maß zurückzubauen. Es wurde von der Stadt eine provisorische Lösung erarbeitet, die für ein bis zwei Jahre Bestand haben sollte, bis die Planung für eine bauliche Ausführung umsetzungsreif sein würde. Leider verschlechterte sich die Kassenlage, so dass das Provisorium bis heute ein Dauerprovisorium ist.
Im Vergleich zur Keplerstraße, wo politisch hitzig über die Radfahrstreifen debattiert wurde, war die Entscheidung in der Albrechtstraße kurz und schmerzlos. Auch hier schlug der ADFC statt teurer Geh-/Radwege die Markierung von Radfahrstreifen vor, es wurden somit die vier Fahrstreifen auf zwei Streifen reduziert. Durch die Reduzierung auf zwei Fahrspuren gibt es für Kfz nun keine Möglichkeit mehr zu überholen, das Geschwindigkeitsniveau ist deutlich gesunken. Die geplagten Anwohner profitieren von weniger Lärm.

 
Die Albrechtstraße in Friedrichshafen vor (Bild links) und nach der Markierung von Radfahrstreifen (Bild rechts).

Die Radlerampel an der Lochbrücke (2003)

Der Radverkehr an der B30 aus Richtung Tettnang und Meckenbeuren in Richtung Friedrichshafen musste bisher an der Lochbrücke die Fußgängerampel benutzen, um über die Brückenstraße Richtung Gerbertshaus weiter zu fahren. Dies war einerseits umständlich, andererseits mussten die Radler dann von der linken Seite der Brückenstraße weiterfahren.
Der Vorschlag des ADFC war, direkt nach der Schussenbrücke eine zusätzliche Querung für Radfahrer einzurichten. Ohne lange Diskussionen wurde diese Idee vom Straßenbauamt umgesetzt.


Die Querung der B30 für Radfahrer an der Lochbrücke geht auf einen Vorschlag des ADFC zurück. Links im Hintergrund ist die Fußgängerampel zu sehen, die bisher benutzt werden musste.

Bau einer Querungsinsel über die Riedleöschstraße in Friedrichshafen (2004)

Beim Bau des Riedleöschtunnels und des Lärmschutzwalls zur Zeppelin-Siedlung und infolge des Ausbaus der Riedleöschstraße wurde die Radverkehrsverbindung von der Innenstadt durch den Riedlewald nach Meistershofen und Jettenhausen gekappt. Bei der Radtour "Radlers Höhen und Tiefen" 2003 (Dokumentation) stellten wir diese Problematik vor und waren erfolgreich: Es wurde nachträglich eine Querungsinsel sowie ein Anschlussradweg zur Meistershofener Straße gebaut. Die dortige Querungsinsel beim Feuerwehrhaus ist der Stadt aber leider gründlich misslungen (siehe Bericht "Die Autoschutzinsel").

 
Vorher (Bild links): Vom Radweg aus dem Riedlewald (am rechten Bildrand) ist keine sichere Querung der Riedleöschstraße möglich. Die 2004 gebaute Insel (Bild rechts) und der Radweg am Lärmschutzwall (am linken Bildrand) schließen die Lücke zur Meistershofener Straße.

Entfernung von Hindernissen und Verbreiterung des Radweges in Wittenhofen (2005)

An der Badener Straße (L204) bei der Einmündung des Moorhofweges standen Blumenkübel auf dem Radweg, um Autofahrer davon abzuhalten, ihn zu befahren. Bei einem Ortstermin mit der Gemeindeverwaltung baten wir darum, diese Hindernisse zu entfernen.
Ergebnis: Der Radweg wurde verbreitert und ein Hochbord hält nun Autofahrer davon ab, den Radweg mitzubenutzen.

 
Vorher (Bild links): Blumenkübel blockierten den schmalen Radweg (2003). nachher (Bild rechts): Freie Fahrt auf dem Radweg (2005).

Asphaltierung des Schotterweges östlich von Kirchberg (2006)

Östlich von Kirchberg (zwischen Hagnau und Immenstaad) verlief der Bodenseeradweg auf einem Schotterweg. Die kurze, heftige Steigung war auf dem schlechten Untergrund bergab gefährlich und bergauf mit dem Rad mühsam zu befahren. Schlaglöcher waren an der Tagesordnung, weil der Weg auch von landwirtschaftlichen Fahrzeugen befahren wurde.
Unsere Forderung war, den Weg vom Schloss Kirchberg und durch das Wäldchen bis zum Gemeindeweg nach Immenstaad zu befestigen, um eine ganzjährig befahrbare Strecke zu erhalten und auch Rennradfahrern eine vernünftige Fahrbahn anbieten zu können. Ein weiterer Vorschlag des ADFC war, gleichzeitig die Routenführung bei Kirchberg zu verbessern.
Unser Vorschlag wurde nach zähen Planungen und Abstimmungsrunden schließlich umgesetzt, leider wurde der Weg durch das Wäldchen nicht asphaltiert.

Siehe auch die Ausgabe 14 (2007) des Radler am See.

 
Vor (2003) und nach (2006) der Asphaltierung des Weges bei Kirchberg.

Verbreiterung des Radweges an der B31 zwischen Fischbach und Immenstaad (2006)

Als im Jahr 2003 die Radwege an der B31 zwischen Fischbach und Immenstaad verbreitert wurden, entschied das Straßenbauamt eigenmächtig und entgegen der abgestimmten Planung, einen kurzen Abschnitt auf der Nordseite nicht auszubauen: Die Strecke zwischen der Einfahrt zur Ziegelgrube und der Kläranlage. Die Radfahrer sollten die vorhandene Hinterlandroute nutzen, so der Straßenbauamtschef, der diese einsame Entscheidung fällte. Wir setzten alle Hebel in Bewegung und schrieben sogar an den damaligen Verkehrsminister Mappus. Dieser ordnete schließlich an, den Radweg durchgehend zu verbreitern. Ein historischer Moment - Mappus auf der Seite des ADFC!

 
Vor (2003) und nach (2006) der Verbreiterung des Radweges an der B31 (Ziegelgrube).

Die Verbreiterung der Brücke über den Lipbach an der B31 (2006)

Bei der Verbreiterung des Radweges an der B31 zwischen Fischbach und Immenstaad (siehe auch den oben stehenden Bericht) entstand ein neuer Engpass: Die Brücke über den Lipbach. Die Brücke war auf der nördlichen Seite sehr schmal, was beim bisherigen schmalen Radweg nicht zu einem großen Versatz im Radweg führte. Der neue, breite Radweg hatte einen größeren Abstand zur Fahrbahn und zielte praktisch direkt in den Lipbach. Dies war für einen Radfahrer verhängnisvoll, der an dieser Stelle nachts in den Bach stürzte und dabei tödlich verunglückte.
Unser Vorschlag war, die Brücke zu verbreitern und damit die Geradlinigkeit herzustellen. Dieses Anliegen trugen wir persönlich im Regierungspräsidium in Tübingen vor.
Dank ausreichender Haushaltsmittel des Bundes für den Radwegebau an Bundesstraßen kam es zur Umsetzung unseres Vorschlages.

 
Der im Jahr 2006 neu gebaute Radweg an der B31 (Bild links), bereits mit Randmarkierungen und Erdhügel, nachdem dort ein Radfahrer tödlich verunglückt war. Bild rechts: Die verbreiterte Brücke (2008).

Verhinderung des Grünpfeils in Friedrichshafen (2006)

Der Initiator der Idee ist uns nicht genau bekannt, doch es muss ein Vertreter der Autofraktion gewesen sein. 2006 befasste sich der Straßenverkehrsausschuss mit der Einführung des "Grünen Pfeils" (Rechtsabbiegen bei roter Ampel erlaubt). Da der Grünpfeil für Radfahrer eher Gefahren als Vorteile bringt, sprach sich der ADFC dagegen aus und konnte den Ausschuss überzeugen, den ohnehin nur an sehr wenigen Kreuzungen in Friedrichshafen zulässigen Grünpfeil wieder einzupacken.

Die Stellplatzrichtlinie für Fahrräder in Friedrichshafen (2007)

Um das Parken von Fahrrädern an Gebäuden komfortabler und sicherer zu machen, forderte der ADFC schon lange eine Richtlinie für das Abstellen von Fahrrädern. Denn die wenigsten Bauherren kümmern sich aus freien Stücken darum, angemessene Fahrradabstellanlagen einzuplanen und aufzustellen.
Auf Initiative des ADFC beschloss der Gemeinderat Friedrichshafen eine Stellplatzrichtlinie, welche seit 2007 in Kraft ist. Die positivien Auswirkungen werden leider noch auf sich warten lassen, da die Richtlinie nur für Neu- und Ausbauten gilt.

Die Stellplatzrichtlinie als Download.

Mehr Infos im Bericht "Stellplätze für alle".

Aufhebung des Parkstreifens am Seewiesenösch in Friedrichshafen (2009)

Bei unserer verkehrsplitischen Radtour "Radlers Höhen und Tiefen in FN" hatten wir die Problematik des Parkstreifens an der südlichen Zufahrt von der Lindauer Straße zum Seewiesenösch thematisiert. Auf dieser vorwiegend von Radfahrern genutzten Straße kam es vor allem im Sommer immer wieder zu gefährlichen Situationen, weil Autofahrer Radfahrer abdrängten oder mit geringem Abstand überholten. Grund dafür waren die Parkplätze, welche auf einer Fahrbahnseite eingerichtet worden waren und die Fahrbahn einengten.
Unser Vorschlag: Entfernung der Parkplätze, denn es gab genügend Ausweichmöglichkeiten für Wanderer und Tagesgäste.
Der Verkehrsausschuss erkannte das Problem, doch bis zur Umsetzung verging viel Zeit. Es wurde nun ein Parkplatz gebaut, so dass der Parkstreifen wieder aufgelöst werden könnte. Mittlerweile ist sogar im Gespräch, diese Straße zur Fahrradstraße zu machen!

 
Die südliche Zufahrt von der Lindauer Straße zum Seewiesenösch. Bild links: Der Parkstreifen (2006). Bild rechts: Der neue Parkplatz beim CAP Rotach (2009).

Die erste Fahrradstraße im Bodenseekreis: Die Schmidstraße (2009)

Viel Überzeugungsarbeit war nötig, um den Gemeinderat und die Verwaltung davon zu überzeugen, dass eine Fahrradstraße für den Radverkehr wichtig ist. Natürlich freut sich jeder Radler, wenn er ungestraft nebeneinander fahren darf, aber auch die symbolische Wirkung einer Fahrradstraße ist nicht zu unterschätzen: Wir wollen den Radverkehr fördern!

Mehr Infos im Bericht "Die Wellness-Route".


Die Schmidstraße in Friedrichshafen, die erste Fahrradstraße im Bodenseekreis.

Der Ampelgriff (2009)

Manche finden ihn unnötig, andere eine tolle Sache: Den Ampelgriff, der in der Stadt Marl erfunden wurde und 2009 auf Initiative des ADFC an ca. 20 Kreuzungen montiert wurde. Für uns ist der Ampelgriff - neben seiner praktischen Seite - eine gute Werbung fürs Radfahrern.

Mehr Infos im Bericht "Ampelgriffe für Friedrichshafen".


Gut, gelb, griffig - der Ampelgriff in Friedrichshafen.

Radwegausbau an der Zeppelinstraße (B31) in Friedrichshafen (2009)

Im Jahre 2006 brachten wir den Vorschlag ein, die auf zwei schmalen Asphaltstreifen getrennten Fuß- und Radwege auf der Südseite der Zeppelinstraße von Manzell bis nach Friedrichshafen in einen breiten gemeinsamen Fuß- und Radweg auszubauen. Denn der schmale Radweg und der daneben liegende Fußweg waren schon lange nicht mehr geeignet, die vielen Radler des Bodenseeradwegs aufzunehmen. Zusammen mit Inlineskatern war das Chaos perfekt. Es war praktisch auf langen Abschnitten kein gefahrloses Überholen anderer Radfahrer möglich.
Der Umbau des Radweges war die größte Radwegbaumaßnahme des Jahres 2009. Die Stadt trug ca. 55.000 Euro für die Planung, die halbe Million für die Baukosten zahlte der Bund.  Es ist selten, dass ein Radweg ausgehend von einer Idee des ADFC in diesem Umfang und dieser Qualität umgesetzt wird.

Mehr Infos im Bericht "Eine gute Idee wurde Realität".

 
Vorher (Bild links): An der westlichen Einfahrt des Seemooser Weges begannen die schmalen Streifen für Radler und Fußgänger. Nachher (Bild rechts): Der ausgebaute breite Geh- und Radweg.

 

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