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Bietigheimer Zeitung, 10. April 2018

Radverkehr:

93 Problemstellen für Radler

Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 10.04.2018

Albrecht Kurz zeigt der BZ, wie Schüler im Ortskern Bissingen fahren müssen, um nach Hause oder zur Schule zu kommen. Laut ADFC ist das eine Stelle, die für Fahrrad- und Autofahrer einige Unannehmlichkeiten bietet.
© Foto: Martin Kalb

Wer in Bietigheim-Bissingen mit dem Fahrrad unterwegs ist, der kommt überall sicher hin. Das zumindest sagt Albrecht Kurz, Vorsitzender der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Trotzdem sieht er Potenzial, die Situation der Radfahrer zu verbessern und damit auch die aller Verkehrsteilnehmer.

Eine Problemstelle beispielsweise sei der Ortskern Bissingen am Kreisverkehr in der Wörthstraße. „Hier tut sich nichts”, sagt Kurz. Dabei sei seit Jahren eine große Konzeption für den Dorfkern in Planung. Doch solange es diese Konzeption nicht gibt, liege alles auf Eis, ergänzt der ADFC-Vorsitzende. Das Problem am Bissinger Ortskern ist, dass es von der Bahnhofstraße kommend einen Radweg gibt, der zum Kreisverkehr führt, doch nicht weiter in den Stadtteil. Radler müssen über den Zebrastreifen und dann auf der Straße weiter. „Die Fahrradfahrer müssen am Zebrastreifen allerdings absteigen, sonst müsste rechtlich gesehen kein Auto halten”, sagt Albrecht Kurz.

Runter vom Gehweg

Das Fahren auf der Straße sei an dieser Stelle zwar nicht ideal, da immer viel Verkehr herrsche, es sei für Erwachsene und selbstbewusste Fahrer jedoch kein Problem, sagt Kurz. Für Schüler hingegen sei die Situation schwieriger. Kinder bis zum achten Lebensjahr müssen immer auf dem Gehweg fahren – außer es gibt einen vom Fahrbahn getrennten Radweg. Doch das ist hier nicht der Fall. Kinder zwischen acht und zehn Jahren steht es zudem frei, die Straße, den Gehweg oder einen Radweg zu nutzen.

„Der Platz vor der Bäckerei bietet Fahrradfahrern und Fußgängern zwar genügend Platz, doch Richtung Kreisverkehr wird der Gehweg enger, und wenn ein Bus hält, kreuzen sich die Schüler mit den Passagieren”, erklärt der ADFC-Vorsitzende. Doch er habe Verständnis für die Stadtverwaltung, denn eine Übergangslösung sei nicht im Interesse des Fahrrad-Clubs. „Wir stehen im engen Kontakt mit der Stadtverwaltung und verstehen, dass diese zunächst die Konzeption fertigstellen will”, sagt Albrecht Kurz. Auch Pressesprecherin Anette Hochmuth erklärt auf Nachfrage der BZ, dass der Verkehrsentwicklungsplan ein Kapitel zur Verbesserung des Radverkehrs enthält. „Die Verkehrsexperten sind derzeit damit beschäftigt, konkrete Vorschläge auszuarbeiten”, sagt Hochmuth.

Als Lösung könne sich Kurz im Ortskern Bissingen Schutzstreifen vorstellen. Sie sind Teil der Fahrbahn, dürfen also, wenn kein Fahrradfahrer sie nutzt, von Autos befahren werden. Doch, ob das hier möglich ist oder dafür eventuell die Straße verbreitert werden müsste, das entscheide das Planungsamt. „Zudem ist hier Tempo 30 beantragt, dann ändert sich die Situation erneut”, sagt Kurz. Das könne sich alles hinziehen.

Das sei auch etwas, für das er nicht immer Verständnis habe. „Es kann lange dauern, bis sich etwas tut”, sagt Kurz. Auch deshalb trifft sich der Fahrrad-Club jährlich mit der Stadtverwaltung zu einer Radtour durch die Stadt. Hier werden solche Problemstellen angesprochen. So auch im Ellental. „Das war ein großes Problem, doch jetzt ist die Situation vernünftig gelöst”. Den dortigen neuen Kreisverkehr sieht auch die Stadtverwaltung als Erfolg. Hier wurden gemeinsam mit den Eltern und dem ADFC in der Arbeitsgemeinschaft Radschulwegplan Lösungen entwickelt und umgesetzt. „Hier trafen unerfahrene Radfahrer mit unerfahrenen Autofahrern zusammen”, beschreibt Kurz, der täglich auf dem Sattel sitzt, die Situation an den Ellentalgymnasien und dem Beruflichen Schulzentrum.

Die Querungen der B 27 auf Höhe der Damm- und der Berliner Straße, die Radschutzstreifen im Gröninger Weg sowie der neu ausgebaute Radweg in der Kammgarnspinnerei sind für Stadt und ADFC positive Entwicklungen des Radnetzes, die unter anderem von Schülern angestoßen worden sind. „Mit dieser Methode der Förderung des Radschulverkehrs nimmt Bietigheim-Bissingen bundes- und landesweit eine Vorreiterrolle ein”, sagt die Stadtsprecherin.

2012 hat der ADFC Schüler zu den Problemstellen befragt. Es wurden 230 benannt. Mittlerweile sind es laut Fahrrad-Club noch 93 offene Stellen. So zum Beispiel die Metteranlagen oder das Valeo-Gelände. „Hier macht es Sinn die Entscheidungen abzuwarten”, spricht Kurz unter anderem die Gemeinderatssitzung am heutigen Dienstag an.

Unterschiedliche Ansprüche

Insgesamt sind sich die ADFC-Ortsgruppe und Stadtverwaltung jedoch einig: Das Radwegenetz in Bietigheim-Bissingen ist gut, hat aber Luft nach oben. „Denn das vorhandene Radwegenetz ist eine gute Grundlage für den Radverkehr, dient aber in erster Linie den Schülern und dem Freizeitverkehr und nicht dem Alltagsverkehr”, sagt Hochmuth. Kurz ergänzt, dass Schüler und Alltags- oder Berufsfahrer unterschiedliche Ansprüche und Bedürfnissen an das Radwegenetz hätten.