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Bietigheimer Zeitung, 27. Febuar 2018

Radverkehr:

„Das billige Zeug ist gefährlich”

Bietigheim-Bissingen / Jonathan Lung 27.02.2018

Fahrradexperte Dirk Zedler (rechts), hier mit dem Vorsitzenden Albrecht Kurz, sprach bei der Hauptversammlung des ADFC Bietigheim-Bissingen.
© Foto: Werner Kuhnle

Der ADFC Bietigheim-Bissingen hatte auf seiner Jahreshauptversammlung den Fahrradsachverständigen Dirk Zedler zu Gast. Der Leiter des Zedler- Prüfinstituts, das auf die Schadensbegutachtung an Fahrrädern spezialisiert ist, hielt einen Vortrag über den Einfluss des zunehmenden Pedelec-Anteils auf den Radverkehr sowie über die aktuellen Qualitätsfortschritte im Fahrradbau.

„Das normale Fahrrad wird immer mehr an Stellenwert verlieren, das E-Bike immer mehr zunehmen”, stellte dieser klar und verglich die beiden mit einer normalen Treppe und einer Rolltreppe. Genauso wie heute der Großteil der Menschen die Rolltreppe nutze, werde dies auch beim E-Bike passieren, ein Vergleich, den er selbst noch vor einigen Jahren nicht glauben wollte.

In zwei Technologien habe man dagegen das Auto schon abgehängt: einmal bei der Verwendung von Carbon und zum anderen in der Elektromobilität. „Wir erfinden hier die Technik alle paar Jahre neu”, beschrieb er den massiven Wandel, in dem sich die Fahrradbranche derzeit befindet. Zum Beispiel die Sensoren in den E-Bike-Motoren: Bei modernen Motoren erkennen vier von ihnen den „Fahrerwunsch” und unterstützen ihn, je nachdem, ob er schneller oder langsamer fahren will.

„Das Pedelec stellt die ganze Fahrradindustrie vor neue Herausforderungen”, erklärte der Fachmann, der für sein berufliches Engagement schon vom baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann als „Held der neuen Mobilität” ausgezeichnet wurde. Der Pedelec-Fahrer fahre deutlich mehr, auch auf anderem Terrain, und transportiere häufig noch große Lasten – entsprechend müssten zum Beispiel die Rahmen neu entworfen werden.

Eine Umfrage belegt, dass deutlich mehr Pedelec-Fahrer ihr Zweirad dem Auto in der Stadt vorziehen, bei nicht motorisierten Fahrradfahrern ist das umgekehrt. „Es ist ein klasse Werkzeug, um die Leute in der urbanen Welt zu mobilisieren”, schwärmte Zedler.

Gleichzeitig riet er ausdrücklich zum Kauf von hochwertigen Pedelecs: Schlechtere Modelle seien häufig unsensibel, der „Fahrerwunsch” werde schlecht erkannt und umgesetzt – so könne es sein, dass der Fahrer, der eigentlich bremsen will, bei gleich bleibender Unterstützung durch den Motor auf eine rote Ampel zufährt.

Dennoch täuschten die anhaltenden Meldungen über häufige Unfälle, so Zedler: Es gebe auch Studien, die belegten, dass das Pedelec nicht gefährlicher sei als das normale Rad. Mit der enormen Nachfrage nach den Modellen und damit der Anzahl der Fahrer stiegen nun eben auch die Unfälle. Akku ist Gefahrgut

„Das billige Zeug ist gefährlich”, warnte der Experte die Mitglieder des ADFC eindringlich vor dem Kauf von allzu preiswerten Motoren und Akkus: „Der Unterschied ist riesig, riesiger noch als sie sich vorstellen können.” Akkubrände rührten häufig von schlechter Qualität und unsachgemäßer Handhabung her, so Zedler, der dazu ein Bild eines Brandflecks auf der Straße zeigte: Dort sei ein Rad in Flammen aufgegangen. Der Akku sei Chemie, werde als Gefahrgut deklariert, das sei vielen nicht bewusst. Wenn man im Sommer gefahren sei, solle man ihn beispielsweise erstmal abkühlen lassen, bevor man ihn lädt.