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Pressebericht Bietigheimer Zeitung, 5. Dezember 2015

Hilfswelle kommt in Fahrt

BIETIGHEIM-BISSINGEN: Mit den Flüchtlingszahlen hat in Bietigheim-Bissingen auch die Zahl derer zugenommen, die helfen möchten. Vor allem der Freundeskreis Asyl engagiert sich. Und bietet zusammen mit dem ADFC Hilfe zur Selbsthilfe.


Julia Schweizer


Fahrradwerkstat von ADFC und Freundeskreis Asyl

In der Fahrradwerkstat von ADFC und Freundeskreis Asyl werden Räder repariert
- von Flüchtlingen und für Flüchtlinge (Foto: Helmut Pangerl)

Nein, ideales Fahrradwetter herrscht an jenem Freitagabend nicht. Es ist kalt, neblig-feucht und auch schon früh dunkel geworden. Gelegenheit aber, Fahrräder zu reparieren. Und das machen seit gut einem Monat Flüchtlinge und Einheimische gemeinsam in der noch jungen Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt, die in Räumen der Realschule im Aurain untergekommen ist.

Dort lässt sich in einer Ecke gerade ein Flüchtling zeigen, wie er seinen platten Reifen wieder flott bekommt. Zweit weitere Männer aus der Asylunterkunft Liederkranzhaus kommen wenig später zusammen mit Christophe Kugler vom Freundeskreis Asyl zur Tür herein und bringen Räder mit, die Bürger gespendet haben und teils noch aufbereitet werden müssen. Auch Schulleiter Claus Stöckle bringt ein altes Jugendrad mit. Immer freitags von 17 bis 18 Uhr ist geöffnet - "aber bislang immer deutlich länger. Denn es gibt viel zu tun", erklärt Erwin Weiblen, stellvertretender Vorsitzender des ADFC. "Denn wenn man einen Schaden behoben hat, entdeckt man oft noch etwas anderes." Und es gibt viele Flüchtlinge, denen sie gerne noch ein Fahrrad zur Verfügung stellen möchten.

Begonnen hat alles noch "recht einfach", erklärt Albrecht Kurz, der Vorsitzende des ADFC, auf einem Platz vor der Unterkunft in der Carl-Benz-Straße. Der Aufruf dazu war von Christophe Kugler gekommen. Auf Dauer habe man aber nicht im Freien bleiben können, zumal auch immer das Werkzeug zu der Einrichtung transportiert werden musste. Die beiden Gruppen hätten dann bei der Stadt nachgefragt - und rechtzeitig vor dem Winter in die Realschule ziehen können.

Und noch etwas hat sich seitdem geändert. Wurden die Fahrräder anfänglich verschenkt, sind die Initiatoren zwischenzeitlich dazu übergegangen, sie gegen einmal wöchentlicher Mithilfe auszuleihen. "So wollen wir die Werkstatt möglichst zu einem echten Selbstläufer machen, so dass bereits etwas länger hier wohnende Flüchtlinge Fahrräder für Neuankömmlinge herrichten", erklärt Weiblen. Auch finanziell soll sich die Werkstatt möglichst selbst tragen. Einzelne Fahrräder werden deshalb verkauft, um mit den Erlösen den Finanzbedarf für Ersatzteile wenigstens teilweise zu decken, wenn diese nicht sowieso gespendet worden sind.

Und der Bedarf wird weiter wachsen, ist sich Albrecht Kurz sicher. Denn die künftigen Bewohner der ehemaligen Pizzeria in der Kammgarnspinnerei würden froh sein über entsprechende Fortbewegungsmittel, meint Kurz.

Bei all dem dürfe aber die Sicherheit nicht zu kurz kommen. Hatte man im Sommer noch nicht so darauf geachtet, so werden nun nur noch Räder mit funktionierendem Licht ausgegeben, ebenso mit einem Seilschloss zum Diebstahlschutz. Zudem sammeln und verteilen die Ehrenamtlichen Helme und gebrauchte Radkleidung.

Auch der Freundeskreis Asyl als solches hat sich in den vergangenen Monaten stark weiterentwickelt. Waren es vor ein paar Jahren nur eine Handvoll Mitglieder, so zählten die Hauptverantwortlichen im vergangenen Jahr 50 Aktive. Und aktuell hat die Vorsitzende Lore Bernecker-Boley 230 Menschen in ihrem Verteiler. Neue Aufgabengebiete sind ebenfalls dazugekommen, zum Beispiel Deutschkurse, speziell für Kinder und Jugendliche, Spielgruppen für Mütter und Kinder, Hilfe bei Behördengängen und Arztbesuchen, dann die Vernetzung mit örtlichen Vereinen wie etwa dem ADFC oder die Vermittlung von Patenschaften für viele Einzelpersonen, Familien und Koordinatoren für die als Unterbringung genutzten Hallen.

Und es gehe auch darum, bei manchen die Scheu abzubauen, sagt Caroline Kugler-Itasse vom Freundeskreis. Konkret angesprochen werden sollen zum Beispiel Menschen, die alleine in Häusern oder großen Wohnungen leben und Zimmer an Flüchtlinge untervermieten könnten.