Trasse Karlsruhe-Rastatt

Eine historische Chance auf einen größtenteils kreuzungs- und abbiegefreien Radschnellweg (RSW) bietet die Neubaustrecke der Bahn zwischen Durmersheim und dem nördlichen Tunnelportal des Rastatter Tunnels. Wird sie als Leuchtturmprojekt genutzt?

Östlich des tiefergelegten Gleisbettes gibt es schon jetzt einen 10 Kilometer langen Baustellenweg, gerade wie mit dem Lineal gezogen, mit Durchlässen unter den meisten die B36 und die Neubaustrecke überspannenden sieben Brücken. Auf diesem Weg könnten Radfahrer komplett ungestört von Autoverkehr bis südlich von Rheinstetten fahren.

Von dort aus wäre nur noch ein Lückenschluss von 3,5 km bis zur neuen Messe Karlsruhe nötig. Am Epplesee vorbei, der für viele aus der Region ein wichtiges Naherholungsziel ist und schon länger eine vernünftige Anbindung für Radfahrer verdient hat. Ankommen würde der Weg dann am Südrand der Karlsruher Heidenstückersiedlung, wo ein Anschluss an wichtige, schon lange bestehende Radrouten aus der Stadt erfolgen könnte.

Sollte der Radschnellweg jedoch, wie von der Machbarkeitsstudie des Regionalverband Mittlerer Oberrhein (RVMO) vorgeschlagen, durch die Orte Durmersheim, Bietigheim und Ötigheim hindurchführen, hätte er den Namen wohl kaum verdient. Dort ist aufgrund Dutzender Kreuzungen, scharfer Abbiegungen und der Fahrbahn auf der sich Autos und Radfahrer dauernd in die Quere kommen würden, ein schnelles und angenehmes Vorankommen nicht möglich.

"Wir würden gerne erfahren, wie die Zeitschiene für die
nächsten Entscheidungen aussieht. Auch wenn beim ADFC
zahlreiche Aktive ehrenamtlich tätig sind,
kann deren Know-How hilfreich sein.
Gerade bei einer EU-weiten Ausschreibung ist es möglich,
dass nicht alle Ortskenntnisse vorhanden sind.
Für die Strecke nördlich Rastatt kann die Führung entlang
der Bahntrasse sinnvoll sein und Synergien bringen."

Ralph Neininger, ADFC Kreisverband Baden-Baden

Bei beiden Varianten (rot: Variante der Machbarkeitsstudie des RVMO; blau: Variante an der Neubaustrecke der Bahn), werden Kosten durch Baumaßnahmen entstehen. Jedoch ist eine Wegeführung durch die Ortschaften gegenüber der schon bestehenden Radverbindung entlang der alten B36 nur marginal besser. Der Radschnellweg kann nicht kreuz und quer durch die Ortschaften verlaufen, damit er jeden Bahnhof und jede Schule direkt ansteuert, sonst verliert er sein Prädikat „schnell".

Geradezu prädestiniert für einen RSW ist der schnurgerade Weg entlang der Neubaustrecke. Es wäre sehr schade, wenn dessen Potential ungenutzt bliebe und viele Kilometer beste Radwegs-Trasse einfach so brach lägen.
Anzeige der Grafik hier.

Die Realisierung dieser Verbindung als Leuchtturmprojekt wäre auch Vorbild für weitere geplante Radschnellwege im Land, würde sie doch optimale Voraussetzungen für ein schnelles und ungefährliches Pendeln zwischen Karlsruhe und Rastatt schaffen.

Nach dem Fischgrätenmodell (Quelle: Planungsbüro VAR+) angebunden, wären alle an der Strecke gelegenen o.a. Ortschaften und auch Muggensturm. Es käme zu keinerlei Beschneidung oder Beeinträchtigung des Autoverkehrs, eine echte Win-Win Situation.

Die Forderung ist klar:
Wir brauchen sowohl einen Radschnellweg möglichst ohne Haltepunkte wie Ampeln, scharfe Kurven ... und gut ausgebaute Radwege innerhalb und zwischen den Ortschaften.

Ziel ist, möglichst Viele dazu zu bewegen aufs Rad umzusteigen. Radfahrer sind keine einheitliche Menge: Freizeitradler, Schüler oder Berufspendler haben unterschiedliche Bedürfnisse.

Wenn schon historisch viele Gelder abgerufen werden können, dann sollten wir uns gemeinsam dafür einsetzen, dass diese zügig in sichere Radwege unterschiedlicher Kategorien umgesetzt werden. Nur dann kann die Priorität des Autos überwunden werden und andere Verkehrsmittel, so auch das umweltfreundliche Fahrrad, den gleichen Stellenwert erhalten.


Über Vor- und Nachteile der möglichen Wegeführungen berichteten am 28. Juni 2020
die Badischen Neuesten Nachrichten in einer lesenswerten Reportage.


© ADFC BW 2020

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