Asphaltierte Radwege – alles versiegelt?

Häufig ist die Rede von vermeintlichen ökologischen Vorteilen wassergebundener Oberflächen. Immer wieder wird die Verwendung von Asphalt beim Bau von Radwegen mit der Begründung abgelehnt, dass Asphaltradwege eine besonders hohe Versiegelungswirkung hätten.

Eine Studie der Mecklenburg-Vorpommerschen Landesregierung kommt zu einem anderen Ergebnis:

Radwege mit asphaltierter (gebundener) Deckschicht stellen keine Versiegelung der Landschaft dar. Radwege mit ungebundenen Materialien wie Splitt, Schotter, Sand oder Brechgut aus Abrissobjekten sind keine ökologisch begründbaren Alternativen.

Untersucht wurde die Versiegelung von Radwegen anhand der Messung und dem Vergleich von Daten zur Bodenverdichtung und zum Wasserhaushalt unter Radwegen, im Böschungsbereich und im angrenzenden natürlichen Gelände.

Immer wieder werden, auch innerorts, Radwege statt in Asphalt mit einer wassergebundenen Decke (vulgo: Sand) gebaut. Diese Wege weisen nach Regenfällen oder nach der Schneeschmelze Kuhlen und Schlaglöcher auf und sind dann oft schlecht benutzbar.

Die Verwendung wassergebundener Materialien wird immer mit den angeblich besseren Versickerungseigenschaften der sandigen Oberfläche begründet. Für diese Annahme existierte bisher kein wissenschaftlicher Beleg. Die Studie des Landes Mecklenburg füllt nun diese Wissenslücke und zeigt, dass asphaltierte Radwege durchaus ökologisch vertretbar sind und die Verwendung wassergebundener Oberflächen im Radwegebau nicht mehr mit ökologischen Argumenten begründet werden kann.

1 Grundsätzliche Vorteile

Wassergebundene Decken führen bei fachgerechter Anlage und entsprechender Unterhaltung zu einer ausreichenden Niederschlagsversickerung. In vielen Naturparks sind sie die bevorzugte Form der Befestigung von maschinenbefahrbaren Wegen, da ein naturnäherer Eindruck vermittelt werden kann. Wenn helles Steinmaterial benutzt wird, heizen sich solche Oberflächen auch deutlich weniger auf als dunkle Asphaltflächen.

Die Herstellungskosten betragen etwa zwei Drittel vergleichbarer Asphaltflächen. Neben dem Einsatz als Wegebelag forst- und landwirtschaftlicher Nutzwege finden wassergebundene Decken auch Anwendung in Parkanlagen sowie auf Parkplatzflächen.

2 Grundsätzliche Nachteile

Wassergebundene Decken sind anfällig für Erosion in Gefällstrecken, da bei starken Regenfällen die oberste Schicht des Materials abgetragen werden kann. Dadurch wird der Weg holprig, es entstehen Rinnen und Schlaglöcher. Eine Instandhaltung der Wege ist daher häufiger erforderlich, besonders nach Schneeräumungen.

Fahrzeugverkehr mit mehr als ca. 20 km/h führt auf wassergebundenen Wegen bei Trockenheit zur Staubentwicklung und, bedingt durch Verwehen, zum Verschleiß der oberen Deckschicht. Problematisch sind ebenfalls die hohen Gewichte moderner landwirtschaftlicher Fahrzeuge, sie begünstigen das Entstehen von Fahrbahnschäden wie Schlaglöchern erheblich.

In einigen Bundesländern reglementieren Qualitätsstandards für Radwege den Einsatz von wassergebundenen Decken. So regelt beispielsweise in Sachsen ein Erlass, dass solche keinesfalls an Steigungen oder im Hochwasser-Überflutungsbereich und nur in ökologisch besonders sensiblen Gebieten verwendet werden dürfen.

Landschaftspfleger und Naturschützer bedauern unter anderem, dass die Harmonie und Ästhetik der Landschaft gestört und durch den Ausbau unbefestigter Wege die Lebensgrundlage daran angepasster Pflanzen und Tiere vernichtet würde. Zudem stelle ein befestigter Weg eine für Kleintiere kaum überwindbare Barriere dar. Weiterhin gehen eine verminderte Bodenbelüftung und ein verminderter Bodenaustausch durch die Verdichtung und Versiegelung des Bodens beim Wegebau einher. Daher seien ökologische Ausgleichsmaßnahmen sinnvoll.

3 Versickerung

Innerorts werden Wege an die Kanalisation angeschlossen (A). Außerorts versickert bei Asphaltdecken (B) das Wasser seitlich. Wassergebundene Decken (C) sind stark verdichtet, Regenwasser dringt nicht in sie ein, sondern fließt fast komplett seitlich ab. Diesbezüglich unterscheiden sie sich kaum von Asphaltdecken. Radwege im Außenbereich sind in der Regel nicht an die Kanalisation angeschlossen, d. h. Regenwasser versickert und steht der Grundwasserneubildung zur Verfügung.

Mit zunehmendem Alter sinkt auch die Versickerungsleistung von gepflasterten Oberflächen, da sich die Zwischenräume zusetzen.


Schaubild 1: Oberfläche (A) ohne Versickerung, Oberflächen (B) und (C) mit Versickerung

4 Aufheizung

In ökologisch sensiblen, offenen Bereichen kann durch helle Farbbeimischungen (siehe unten) der Grad der Aufheizung, der hauptsächlich von der Helligkeit der Oberfläche abhängt, stark vermindert werden.

5 Landschaftsbild

Bituminöse Decken können durch Farbbeimischungen in nahezu allen Farbtönen hergestellt werden. Bituminöse Decken können zudem mit Splitt versehen werden und erhalten dadurch ein naturnaheres Aussehen, so dass sie von weitem kaum von wassergebundenen Decken unterschieden werden können.

Im Gegensatz zum motorisierten Verkehr verändert Radverkehr das Landschaftsbild nur unerheblich, da kaum landschaftsverändernde Verkehrsbauten oder breite, trennende Asphaltflächen notwendig sind. Eine attraktive Radverkehrsinfrastruktur trägt zu einer Verkehrsverlagerung von der Straße auf den Radweg bei, verringert dadurch Flächenversiegelung, Lärm und Abgase und ist damit positiv für die ökologische Gesamtbilanz einer Region zu sehen.

6 Herstellungskosten und laufende Kosten

Wassergebundene Decken sind zwar preiswert in der Herstellung, aber teuer in der jährlichen Unterhaltung.

7 Mehrfachnutzung

Die gemeinsame Nutzung eines Weges durch Radfahrer, Reiter, Land- und forstwirtschaftlichen Verkehr schließt die Anwendung wassergebundener Decken aus, da die anderen Nutzer zu einer Zerstörung des Radweges führen.

8 Steigungen

Wassergebundene Decken an Steigungen unterliegen einer verstärkten Erosion. Die Wege werden ausgewaschen und zerstört, Radfahrende können stürzen.

9 Überflutungsflächen

Wassergebundene Decken in Überflutungs- bzw. Hochwassergebieten werden bei jedem Hochwasser zerstört und müssen neu hergestellt werden.

Fazit: Entkräftung des ökologischen Arguments

Wassergebundene Decken unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wasserdurchlässigkeit nicht wesentlich von Asphaltdecken. Der Aufheizung sowie der Störung des Landschaftsbildes kann durch entsprechende Farbgebung entgegengewirkt werden.

Fazit: Entkräftung des wirtschaftlichen Arguments

Die Herstellung einer Asphaltdecke ist pro Kilometer doppelt so teuer wie die einer wassergebundenen Decke. Die mittleren jährlichen Reparaturkosten einer wassergebundenen Decke sind wegen der geringeren Nutzungsdauer mit denen einer Asphaltdecke vergleichbar.

Die Nutzbarkeit einer Asphaltdecke durch Radfahrende ist deutlich höher. Radschnellwege sind auch in ländlichem Gebiet ohne asphaltierte Oberfläche nicht möglich.


Quellen:
ADFC Sachsen
Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung MV
Akademie Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz
Wikipedia

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