Radverkehr vor Ort: Stuttgart-Nord

Um den Radverkehr in Stuttgart-Nord wurde vor einiger Zeit heftig gestritten; zumindest soweit es um den Höhenpark Killesberg geht. Doch bei allen Schwierigkeiten, die das Nebeneinander von Fußgängern und Radfahrern zum Teil bieten, sollte nicht vergessen werden, dass es ein anderes Verkehrsmittel ist, das in der Stadt soviel Platz beansprucht, dass für anderes kaum noch Luft bleibt. Natürlich ist ein Stuttgart ganz ohne Autos kaum vorstellbar; das ist auch nicht unser Ziel. Fußgänger und Radfahrer sollten aber den Platz bekommen, der ihnen zusteht. Nur so kann erreicht werden, dass wieder mehr Wege ohne Auto zurückgelegt werden, was einen Gewinn an Lebensqualität für alle bedeuten würde; auch für diejenigen, die heute meinen, jeden Meter motorisiert zurücklegen zu müssen.

Es hat sich in den letzten Jahren durchaus etliches für den Radverkehr verbessert - die "IGA-Brücken" im Umfeld des Pragsattels sind das beste Beispiel. Auch die Radwege an der Pragstraße (Bad Cannstatt) sind eine Verbesserung, sie ermöglichen es, dem Gedränge im Rosensteinpark auszuweichen. Schließlich darf die für Radler freigegebene Fußgängerzone in der Nordbahnhofstraße nicht unerwähnt bleiben.

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Völlig untragbar ist hingegen die Situation an der Heilbronner Straße. Sowohl auf Höhe der Jägerstraße als auch auf Höhe der Wolframstraße muss man die Straßenseite wechseln, dazwischen muss man an der Abzweigung Türlenstraße durch die Unterführung schieben. Nötig ist zumindest eine durchgängige Radverkehrsführung an einer der beiden Straßenseiten. Ob "Stuttgart 21" nun kommt oder nicht - oberhalb der in jedem Fall zu bebauenden Fläche "A1" muss ein Radweg eingerichtet werden! Wichtig ist dabei auch eine gute Querungsmöglichkeit der Wolframstraße. Da die Heilbronner Straße eine sehr hohe Trennwirkung hat, ist für den örtlichen Radverkehr auch an der anderen Seite eine durchgängige Fahrmöglichkeit wünschenswert.

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Eine wichtige Radverkehrsverbindung von Stuttgarts Norden in die Innenstadt führte vor einiger Zeit über die Seestraße und über den Weg hinter dem Katharinenhospital, bevor dort die Baustelle für das Olgahospital und die Frauenklinik eingerichtet wurde. Derzeit besteht eine umwegige Umleitung über den Herdweg und die Kriegsbergstraße. Wir legen großen Wert darauf, dass baldmöglichst ein echter Ersatz für den weggefallenen Weg angeboten wird.

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Sehr unbefriedigend ist die Situation an der Straße Am Kräherwald. Zwischen Parlerstraße und Doggenburg sind die Radwege extrem schmal, zumal eine gemeinsame Benutzung mit Fußgängern vorgesehen ist. Es gibt aber Platz für einen breiteren Weg: Zwischen dem Weg an der Waldseite und dem Wald besteht ein breiter Grünstreifen. Eine Verbreiterung des jetzigen Weges dürfte aber wegen der Straßenlampen kaum sinnvoll sein - eher schon ein Neubau ausschließlich auf dem Grünstreifen. Der jetzige schmale Weg könnte dann renaturiert werden.

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Radwege sind nicht immer und überall die beste Lösung - das weiß wahrscheinlich jeder, der schon mal zu Messezeiten die Stresemannstraße heruntergeradelt ist. Hier wäre es sinnvoll, die Benutzungspflicht aufzuheben, die es Radlern verbietet, die Fahrbahn zu benutzen, wenn ein Radweg entlangführt. Ein weiteres Problem sind die Pfosten, die Autofahrer daran hindern sollen, den Radweg als Parkplatz zu missbrauchen. Obwohl sie hier zum Teil rot-weiß sind - das ist nicht überall der Fall - gab es Unfälle, bei denen ein Radler gegen einen solchen Pfosten fuhr. Vor allem bei Gruppen kann dies leicht passieren. Aus unserer Sicht könnte die Gefahr deutlich entschärft werden, würde man Bodenmarkierungen anbringen, die auf einen Pfosten hinweisen, zum Beispiel eine Linie, die auf den Pfosten hinzuführt und kurz vor dem Pfosten breiter wird. Anderswo gibt es das durchaus.

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Auch der Weg an der westlichen Seite der Stresemannstraße kann gefährlich sein - der für Radler vorgesehene Teil des Bürgersteigs führt zum Teil direkt an Autotüren vorbei, die sich jederzeit öffnen können. Hier wäre ein Radfahrstreifen besser, also ein auf die Straße aufgemalter "Radweg". Damit sind auch Konflikte mit Fußgängern praktisch ausgeschlossen.

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Eine Verbindung von Feuerbach her führt durch die Maybachstraße. Hier ist bergauf eine Radverkehrsführung erforderlich. Denkbar ist eine Freigabe des Gehwegs für den Radverkehr im Abschnitt zwischen Alarichstraße und Stresemannstraße.

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Wenig Handlungbedarf sehen wir in den zahlreichen Tempo-30-Zonen - hier ist das Nebeneinander von Auto- und Radverkehr vergleichsweise problemlos. Diese Geschwindigkeitsbegrenzung sollte auf weiteren Straßen eingeführt werden. Beispiele sind die Birkenwaldstraße und die Lenzhalde.

Die Rad-WM in Stuttgart ist vielen nur noch als Doping-Festival in Erinnerung. Jedoch bleibt der Herdweg als große sportliche Herausforderung präsent. Der Haken an der Sache: Der steile Abschnitt dieser Straße ist eine Einbahnstraße und darf nur bergab befahren werden. Es ist aus unserer Sicht wünschenswert, diese Straße in Gegenrichtung für Radfahrer zu öffnen, auch wenn deren Funktion für den Alltagsradverkehr eher eine bescheidene Rolle spielen dürfte.

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Nun aber zum Höhenpark Killesberg: Wir denken, dass es durchaus auch Bereiche geben sollte, an denen die Fußgänger unter sich sind, und wo man auch mit kleineren Kinder unbesorgt spazieren gehen kann. Daher halten wir nichts von der Forderung, den Park flächendeckend für den Radverkehr freizugeben. Wir wissen aber auch, dass er für manche Berufspendler eine wichtige Verbindung darstellt. Ohne (derzeit verbotenermaßen) durch den Park fahren zu können, müssten sie große und unangenehme Umwege in Kauf nehmen (s. Absatz Stresemannstraße). Man sollte daher zumindest werktags einige wenige Routen im Park für Radler freigeben. Dies könnten zum Beispiel die Straße Beim Höhenfreibad und die breite Thomastraße sein, zudem eine Verbindung zum Ausgang unter der Stresemannstraße hindurch zum Wartbergpark. Anstelle der Thomastraße ist auch der Weg am westlichen Rand entlang der Kleinbahn denkbar. Dies hätte den Vorteil, dass praktisch alle Ein- und Ausgänge angeschlossen wären.

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Stand: Januar 2009