Auf den Spuren von Marco Pantani

In der zweiten Aprilwoche fand eine ADFC-Radreise nach Italien statt, genauer gesagt in die Emilia Romagna und noch genauer gesagt nach Cesenatico, einem kleinen Hafenstädtchen, das zwischen Ravenna und Rimini direkt an der Adriaküste liegt. Dort wurde die italienische Radsportlegende Marco Pantani geboren, noch heute wird er von seinen Landsleuten als großer Champion verehrt, man hat ihm ein Denkmal gesetzt, ein Museum gewidmet und man kann sogar seine Grabstätte besichtigen.
Eine radsportbegeisterte Gegend also - genau das Richtige, um sich dort bei südländischen Frühlingstemperaturen nach dem langen und kalten Winter auf die neue Saison vorzubereiten.

Los ging's am Freitagabend. Mit der S-Bahn zunächst nach Feuerbach, wo sich gegen 22 Uhr die ganze Reisegruppe von 39 Teilnehmern mitsamt Drahtesel eingefunden hatte. Flugs wurden die von Reinhold eigens für diese Reise angefertigten Namensbuttons verteilt, die Räder in den Spezialanhänger eingeladen und los ging die Nachtfahrt über Singen, den Bodensee, das Rheintal, über den San Bernardino-Pass und durch die Po-Ebene.
Nach 4 deutschen Flaschen Pils, 18 schweizer Kreisverkehren, etwa 210 italienischen Autobahnbrücken und außerdem 2 Cappucchinos erreichte der Bus mit seinem übernächtigtem Inhalt am Samstagvormittag gegen 10 Uhr das Hotel Giulietta e Romeo in Cesenatico. Dort wurden die deutschen Radler von der Hoteliersfamilie Maraldi mit einem kleinem Frühstücksbuffet herzlich willkommen geheißen. Ganz schnell wurde klar, das man hier aufs vorzüglichste untergebracht war, denn im Frühjahr sind die Hotels vollkommen auf Radler eingestellt. Es gibt einen abschließbaren Radkeller, Werkzeug liegt bereit, ein Wäsche und Pannenrückholservice wird angeboten, es gibt Sauna- und Wellnessangebote, verschiedene Tourenvorschläge mitsamt Streckenplänen zum mitbnehmen liegen aus, tagsüber steht ein Nudelbuffet für die hungrigen Rückkehrer bereit und natürlich wird eine fantastische Verpflegung geboten. Schließlich gilt die Emilia Romana ja als der Bauch von Italien und so wird unter der Leitung von Mama Maraldi jeden Tag ein abwechslungsreiches Buffet mit kalten und warmen Vorspeisen, frischem Gemüse, Fisch, verschiedenen Pastagerichten und Hauptgängen hergezaubert. Nicht zu vergessen natürlich die Auswahl von regionalem Käse und erst das Nachtischbuffet..... einfach unbeschreiblich.

Nachdem also der erste Hunger gestillt war, konnten die Zimmer bezogen werden. Am frühen Nachmittag traf man sich dann schon zur ersten gemeinsame Ausfahrt. Die drei ADFC-Tourenleiter (Christoph aus Stuttgart, Waltraud und Thomas aus Marbach) führte den Troß von 39 Radlern zwecks erster Orientierung einmal durchs ganze Städtle, vorbei an all den Sehenswürdigkeiten und markanten Punkten wie z.B. die malerische Altstadt und den schönen Hafen mit seinem maritimen Museum bis hin zur oben gennnten Gruft der Familie Pantani. Danach trennte sich die große Gruppe auf und fuhr noch ein paar Kilometer auf verschiedenen Strecken durch die flache Ebene um Cesenatico.

Nach dem (....vorzüglichen....) Abendessen traf die Gruppe sich in der Hotelbar, um die abendliche Besprechung abzuhalten. Da es der erste Abend war, stellten sich zunächst alle Teilnehmer kurz in der Runde vor, danach präsentierten die Tourenleiter ihre Touren für den nächsten Tag und legten Streckenpläne und Listen aus, in die sich die Teilnehmer je nach Lust und Laune eintragen konnten. Anschließend wurden in lockerer Runde bei kühlem Weizenbier oder schmackhaftem Wein die ersten Erlebnisse und Eindrücke ausgiebig bequatscht.

In den folgenden Tagen stellte sich ganz automatisch der folgende sehr angenehme Tagesablauf ein:
Ab halb acht gab es immer ein (....vorzügliches und) reichhaltiges Frühstücksbuffet, danach verblieb noch etwas Zeit, sich umzuziehen und mit Sonnencreme einzuschmieren und so gegen neun starteten die drei verschiedenen Gruppen in alle Himmelsrichtungen - außer nach Osten, denn da kam nach etwa 200 Metern das Meer.
Auf die Einzelheiten und genauen Streckenverläufe soll hier nicht weiter eingegangen werden, jedenfalls hatten alle drei Gruppen auf ihre Weise ihren Spass.
Die sogenannte Cappuccino-Gruppe unter der Leitung von Waltraud und ihrem kongenialen Ehemann Reinhold ließ es eher gemütlich angehen und klapperte auf nicht allzuviel steilen Sträßchen die Sehenswürdigkeiten dieser wunderschönen Landschaft ab und legte dabei Entfernungen so um die 60 km tendentiell eben zurück.
Christoph mit seinem Liegerad forderte die Teilnehmer etwas mehr, seine Touren zwischen 65 und 95 km führten weiter ins Hinterland und die Teilnehmer hatten mit den mitunter ziemlich steilen Bergen ordentlich zu tun, aber für die gut im Saft stehenden Tourenradbesitzer waren die eher welligen Strecken überhaupt kein Problem.
Die Gruppe um Thomas schließlich ließ keine Wünsche offen, was Streckenlänge und Höhenmeter anging und so ging es tendentiell bergauf weit ins wunderschöne Hinterland und als Entschädigung für die manchmal langen und anstrengenden Anstiege gab es natürlich auch tolle und rasante Abfahrten und atemberaubende Aussichten.

Allen Touren gemeinsam war die tolle romagnolische Landschaft, die herrlichen Ausblicke weit übers blühende Hügelland bis hin zum Meer, das Panorama mit dem weithin sichtbaren Monte Titano, auf dessen Spitze der Zwergstaat San Marino geklebt ist,  die tollen Abfahrten und natürlich gab es auch immer eine Rast (oder auch zwei) in einem der kleinen Bergdörfchen, wo man für wenig Geld wunderbaren Cappuccini und andere Spezialitäten serviert bekam.

An jedem Nachmittag kamen dann die drei Gruppen nach ihren verschiedenen Touren im Hotel zusammen, wo man sich am reichhaltigen Nudelbuffet stärken konnte und auch Gelegenheit hatte, die sogenannte "Unterhefe" - eine gefürchtete Radler-Mangelerscheinung - zu bekämpfen. Anschließend blieb bis zum Abendessen noch genügend Zeit zu duschen, den Wellnessbereich zu besuchen, in der Stadt zu bummeln usw. und der/die eine oder andere hat sogar ein erfrischendes Bad im Meer gewagt.

Nach dem  (....vorzüglichen....) Abendbuffet fanden sich alle Teilnehmer täglich im Besprechungszimmer ein, wo jede Gruppe kurz über die Strecke und die Erlebnisse des Tages berichtetete und die drei Tourenleiter ihre Vorhaben für den kommenden Morgen vorstellten.
Der Rest des Abends war dann frei zur Verfügung, einige fanden sich in lockerer Runde in der Hotelbar ein, andere machten einen Abendspaziergang und so manch einer ist auch früh zu Bett gegangen.

An zwei Tagen wurde auch der Begleitbus benutzt, denn so konnten auch weiter im Hinterland gelegene sehenswerte Orte gut mit dem Rad erreicht werden.

Am Dienstag fand eine Art Sternfahrt statt, denn da trafen sich die drei Gruppen um 15 Uhr im malerischen Dorf Santarcangelo, der Heimat des Sangiovese. Dort war eine Besichtigung der Sandsteinhöhlen angesagt, die lange vor unserer Zeit in den Hügel unterhalb des alten Stadtkerns gegraben wurden. Noch heute sind sich die Gelehrten nicht einig, ob diese Höhlen in grauer Vorzeit als religöse Stätte oder einfach nur als Wein- und Vorratskeller gedacht waren. Die deutschen Radler jedenfalls sind heil wieder an die Oberfläche geführt worden und konnten sich anschließend noch eine uralte Werkstatt ansehen, wo heute noch mit mittelalterlichen Maschinen und Methoden Stoffe gepresst und mit historicschen Motiven bedruckt werden. Dinge also, die es sonstwo auf der Welt nicht zu sehen gibt.

Am Donnerstag Abend ging es mit dem Bus zur Tenuta Amalia, das ist ein altes Weingut gegenüber des Golfplatzes von Rimini. In der urig eingerichteten Gaststube wurde von der herzlichen und charmanten Wirtin lauter selbstgemachte Spezialitäten wir Porcetta, Salame,  Gemüse mit Öl, Brot, Schinken und  Käse in rauhen Mengen aufgetragen. Gegessen wurde ohne Besteck direkt vom Tisch, als Teller lag ein Stück Butterbrotpapier bereit. Gläser jedoch gab es , und die füllten sich im Verlauf des Abends mehrfach mit dem hervorragenden Sangiovese verschiedener Jahrgänge aus eigenem Anbau. Kein Wunder, dass an diesem Abend die allerbeste Stimmung herrschte und alle dann ein bissle traurig waren, als es nach den himmlischen Dolce (=Nachtisch) wieder hieß: Ab in den Bus und nach Hause ins Hotel.
Die eine oder andere Flasche Wein wurde zwecks späterer Verkostung oder als Reisemitbringesel auch mitgenommen.

Am Freitag früh sollten ja auch noch mal kürzere Ausfahrten auf dem Plan stehen, aber da es auch nach dem Frühstück immer noch regnete, entschlossen sich viele, den örtlichen Krämermarkt zu besuchen, andere wollten endlich mal das bisher aufgeschobene Wellness-Angebot nutzen, andere fanden sich für einen Ausflug nach Ravenna zusammen, wieder andere erledigten ihre Einkäufe und ein paar untentwegte machten sich tatsächlich auf den Weg. Belohnt wurden alle mit strahlendem Sonnenschein, denn der ungewohnte Regen ließ schon gegen 11 Uhr nach und machte der adriatischen Sonne Platz. Jedenfalls hatten alle an diesem Tag genügend Zeit, alles zu erledigen und in Ruhe zu packen, denn gleich nach dem (....vorzüglichen....) Abendbuffet wurd sich in großer Runde standesgemäß bei der rührigen Hotliersfamilie Maraldi bedankt und verabschiedet. Gegen neun Uhr hieß es dann leider  "Abfahrt" und nach einer ruhigen und sicheren Nachtfahrt erreichte die Gruppe am frühen Samstagmorgen zunächst Singen, dann Sindelfingen und zu guter letzt Feuerbach. Mit jedem Haltepunkt wurde die Gruppe kleiner und am Schluß gab es auch das eine oder andere Abschiedstränchen, so gut hatte die Gruppe sich in dieser kurzen Woche zusammengefunden.

Zurückgeblickt wars eine tolle Woche, es gab schöne Augenblicke, große sportliche Leistungen, interessante Begegnungen und Gespräche, vorzügliches Essen, tolle Leute, viele blöde Sprüche, eine Menge lautes Gelächter und eine Menge Spaß. Also alles, was so eine ADFC-Reise eben ausmacht!

.....und wurde eigentlich schon das sensationelle Nachtischbuffet erwähnt...?

Thomas Sartison
im April 2011

 

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