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Berlin, Berlin, wir waren in Berlin...
....und 2011, fahrn wir wieder hin. Sagen bereits jetzt einige der Teilnehmenden der Berlin-Radreise 2010. Wie im Vorjahr nutzt die Reisegruppe des Landesverbands erneut die längsten Tage des Jahres, um Berlin und seine nähere, aber auch fernere Umgebung unter die Reifen zu nehmen.
Am Samstagmorgen um 7 Uhr startete unser Bus vom Feuerbacher Bahnhof. Die Räder in einem neuen, materialschonenden Radanhänger hinter dem Bus ging es über Heilbronn, Nürnberg und Hof nach Norden, schon gegen 16 Uhr wurde der Berliner Funkturm gesichtet. Wenig später erreichten wir staufrei unser Bett&Bike-Hotel „Les Nations“, nur eine Radlerviertelstunde vom Kanzleramt entfernt. Dieses war dann auch das abendliche Ziel, präziser gesagt der Biergarten gegenüber. Dort trafen wir Jan Schaller, unseren Berliner Tourleiter für die Woche, der uns mit einer Fülle ausgedruckter Tourenpläne Appetit auf die kommende Woche machte.
Ein stetiger Geräuschpegel musikähnlichen Ursprungs weckte unser Interesse, und Jan zeigte uns auf dem Rückweg die „andere Seite“ eines Umzugs zum Christopher Street Day. Eine Prachtstraße voller kreativ gekleideter Wesen, teils erkennbar menschlicher Geburt, aber auch roséfarbene Hunde und jede Menge Engel, unter denen lediglich ein „schwarzes Schaf“ zu sehen war. Trotz Glasflaschenverbot war der Boden übersät mit allem, was unsere pannensicheren Reifen so lieben. Ein kurzer Abstecher durch den Park ließ das Chaos hinter uns, die reisemüden Gliedmaßen riefen deutlich „Bett“.Der Berliner Südosten sollte unsere erste Tagesetappe werden. Entlang der Spree, flott an Kanzleramt, Reichstag und ARD-Studio vorbei lockt die seit letztem Jahr restaurierte East-Side-Gallery, einer der bekanntesten, und sicher buntesten Abschnitte der ehemaligen Berliner Mauer. Direkt im Anschluss über die sehenswerte Oberbaumbrücke, und auf dem Mauerradweg entlang dem Teltowkanal nach Berlin-Schönefeld. Dort ereilte uns der erste, und erstaunlicherweise einzige Plattfuß der Tour, verursacht allerdings nicht durch Glassplitter, sondern durch permanent zu geringen Luftdruck, der einen Schaden am Ventilfuß auslöste. Immerhin haben dann fast alle verstanden, dass der richtige Luftdruck nicht nur eine Sache des Komforts ist, und eine leistungsfähige Miniluftpumpe (hier Lezyne-Standpumpe mit Manometer) zwar ein wenig Luxus, aber auch Notwendigkeit sein kann. Unsere Plattfußkandidatin hat sie jedenfalls gleich bestellt.
Über Gropiusstadt, das Britzer Schloss und Neukölln hieß unser Mittagsziel Flugplatz Tempelhof. Wo vor nicht allzu langer Zeit noch Rosinenbomber und anderes Fluggerät starten durften, haben nun Radler, Inliner und Kinderwagenmuttis die Rollbahn erobert. Ein geschäftstüchtiger Berliner hat gleich einen attraktiven Biergarten (mit WM-Übertragung) eingerichtet, an dem wir natürlich nicht vorbeikamen.
Während die halbe Truppe noch beim Vesper weilte, ereilte uns der Hilferuf einer Mitradlerin. „Mein Schlüssel ist weg“! Na Bravo! Zuschließen ging noch ohne, aber Aufmachen? Das Vesper musste warten, ein scharfer Blick auf den Schlosskörper offenbarte die Achillesferse dieses Exemplars. Etwas körperlicher Einsatz legte den Kabelstrang frei, und mittels einer Zange und eines Leatherman-Werkzeugs war das „Schlösschen“ innerhalb drei Minuten offen. Der nächste Lerneffekt, und für den nächsten Tag ein zusätzlicher Verkauf eines guten Schlosses beim hotelnahen Radladen. Die Hasenheide, der Bergmannkiez und die Yorckbrücken führten uns zum Landwehrkanal und nach Hause in unser Alt-Moabiter Hotel. Den exotischen Abschluss bildete lecker Essen in unserem indisch-nepalesischen Traditionslokal.
Eine Zugfahrt nach Rathenow bildete den Start der nächsten Etappe, durch das Havelland. Auf den Spuren einer alten Schmalspurbahn entlang traumhafter Luchlandschaft durch „Kotzen“ nach Ribbeck, wo das Gedicht von Theodor Fontane seinen Ursprung hat. Kaffe und (Birnen-)Kuchen waren Pflicht, und auch Birnbaumbäumchen wurden im Café feilgeboten. Weiter auf der alten Bahnstrecke erreichten wir die Altstadt von Nauen, der Zug setzte dann unseren 60 Tageskilometern ein Ende.
Das Berliner Pflichtprogramm stand am Dienstag auf dem Plan: Kudamm, Gedächtniskirche, Tiergarten und Reichstag. Dort wurden wir zu einer zweistündigen Führung empfangen, interessant vor allem die Vorbereitungen zur Wahl des Bundespräsidenten (Wahl war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Die (erstaunlich kleine) Reichstagskuppel bildete die Basis für machen Panorama-Schnappschuss über die Dächer der Hauptstadt. Kleiner Tipp für alle Nachahmer: Ewig lang vorbestellen, und ohne Gepäck kommen, es gibt aus Sicherheitsgründen weder Schließfächer, noch eine leistungsfähige Garderobe.
Das Schloss Charlottenburg empfing uns am nächsten Tag mit allerlei altmodischen Gestalten. Die Dreharbeiten zu „Des Kaisers neue Kleider“ verlangten uns einen kleinen Umweg ab, und für die Schlossaufnahmen wurden die Teleobjektive montiert. Ein buntes Sammelsurium von Waldstücken, Villenvierteln und Kanälen führte uns zum ehemaligen Olympiastadion, von dessen Glockenturm wir den nächsten Rundumblick genießen konnten. Nach einer kurzen Fährüberfahrt lockte dann erstmals ein Badesee, und nach kurzem Anstandszögern folgte fast die Hälfte der Teilnehmer unserem Jan ins 18 Grad warme Wasser.
Die Ostgrenze der Republik sollte unser nächstes Tagesziel werden. Mit dem Regionalzug nach Fürstenwalde, vorbei an zwei historischen Leuchttürmen mitten in der Stadt (die hier einst produziert wurden), führte uns der neue Oderbruchradweg ans idyllisch gelegene Schloss Steinhöfel, entlang dem Falkenhagener Mühlenfließ zum Kunstspeicher Fredersdorf (Einkaufstipp Ebereschen-Chutney und Sanddorn-Gummibärchen), zur Festung Gorgast und zur Oder bei Küstrin-Kiez. Die letzte Etappe dann ins alte Küstrin (Polen) von dort mit dem Zug wieder nach Westen. Gut zu sehen (und vor allem auch zu riechen) waren die Folgen des Oder-Hochwassers, teils standen im Hinterland noch größere Bereiche im Brackwasser, etliche Bäume waren in die Horizontale verschoben.
Wie im Vorjahr bildete die Potsdam-Runde unseren krönenden Abschluss am Freitag. Diesmal nutzten wir wieder die S-Bahn zur Anfahrt, von der sich der Stuttgarter Verkehrsverbund in Sachen Fahrrad-Mitnahmekapazität einige Scheiben abschneiden könnte. Allerdings ist dafür auch immer ein Fahrrad-Fahrschein erforderlich. Der Bahnhof Griebnitzsee als Start einer kleinen Seerunde brachte uns nach Babelsberg, mit fantastischem Blick zur Glienicker Brücke, einst Hauptumschlagsort prominenter Agenten der beiden deutschen Staaten. Durch die Potsdamer Innenstadt mit dem zukünftigen Stadtschloss („wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?), am Templiner See nach Caputh, dann entlang der Havel zur Innenstadt Werder, wo frisch geräucherte Fischspezialitäten den (zweitbesten) Leckerbissen des Tages bilden sollten.Die Höhepunkte Potsdams folgten Schlag auf Schlag: Neues Palais, Schloss Sanssouci, Krongut Bornstedt und die russische Siedlung Alexandrowka. Am Filmmuseum Potsdam vorbei erklimmen wir in Potsdam zum letzten Mal die Bahnsteige. Im Hotel kurz frischgemacht durften wir dann mit unserem Tourleiter im „Probier-Mahl“ (Eberfelder Str. Ecke Dortmunder Str.) einen exquisiten Abschluss feiern.
Freuen werden wir uns dann im nächsten Jahr vielleicht auch noch auf ein Berliner Buffet zum Start, mit dem uns unser lieber Hotelier schon jetzt den Mund wässrig gemacht haben. Da einige der Teilnehmenden dieses Jahres bereits eine Teilnahme 2012 angekündigt haben, empfiehlt sich eine frühzeitige Buchung, da die Tour dann vermutlich bereits sehr schnell ausgebucht sein dürfte. Reisetermin nach aktuellem Planungsstand Ende Juni/Anfang Juli oder im September.
Reisebericht von Peter Beckmann

