Heilbronn hat mal wieder einen zweifelhaften Verkehrsversuch mehr. An 23 Kreuzungen wurden insgesamt 38 grüne Pfeile aufgestellt. Heilbronn ist damit Rekordhalter. Keine andere Stadt innerhalb der alten Bundesländer verfügt über mehr als 10 grüne Pfeile.
Laut Pressetext der Stadtverwaltung steht der grüne Pfeil für eine veränderte Verkehrsphilosophie, die erkennt, daß sich heutzutage gerade die Überreglementierung des Verkehrs mobilitätshemmend auswirkt. Die Stadt Heilbronn möchte dem entgegenwirken und statt starrer Regelungen das Mitdenken und die Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer stärken.
Die Pressemitteilungen der Stadt lesen sich so als sei der "Grüne Pfeil" das Allheilmittel gegen Verkehrsinfarkt und alle Verkehrsprobleme
Diese Seite ist noch im Aufbau, an
dieser Stelle werden in den nächsten Tagen noch einige Originaltexte der Stadtverwaltung
plaziert
Am Dienstag 11.März 97 fand in der Volkshochschule Heilbronn eine Podiumsdiskussion unter dem Thema "Mobiles Heilbronn - Was bringt der Grüne Pfeil?" statt
Auf dem Podium saßen:
Tenor bei den Podiumsteilnehmern war breite Zustimmung zum grünen Pfeil.Lediglich der Vertreter des ADFC übte Kritik. Aus dem Publikum sprach sich jedoch niemand für den grünen Pfeil aus. Hier gab es nur Ablehnung bzw. kritische Beiträge. Auch Vertreter der Polizei sowie mehrere anwesende Fahrlehrer sprachen sich gegen den grünen Pfeil aus. Hauptproblem war, das ca 90% Der Verkehrsteilnehmer vor dem grünen Pfeil nicht stoppen, sondern einfach weiterfahren.
Der Vertreter des Fahrlehrerverbandes versprach das künftig die Fahrlehrer bei Unfälle verstärkt die Polizei hinzuziehen werden. Hintergrund ist die Verwaltungsvorschrift zum grünen Pfeil: Bei Verwendung des Schildes mit grünem Pfeil auf schwarzen Grund müssen die örtlich zuständigen Straßenverkehrsbehörden das damit in Verbindung stehende Unfallgeschehen innerhalb der ersten beiden Jahre nach Anbringung beobachten und auswerten. Bei Unfallhäufung im Zusammenhang mit der Grünpfeil-Regelung (z.B. zwei oder mehr Unfälle mit schweren Sachschaden und/oder Personenschaden) ist das Schild wieder zu entfernen
Nachstehend das Statement von Stefan Brandtner;ADFC bei der Podiumsdiskussion am 11.3.97
Ich habe am Sonntag abend einen Teil der Kreuzungen, die mit dem grünen Pfeil ausgestattet wurden per Rad und als Fußgänger getestet: Erste Kreuzung Kolping Straße/Kreuzäckerstraße. Abends in der Dämmerung biegen die in die Kreuzäckerstraße abbiegenden Kraftfahrzeuge alle schwungvoll ab. Kein Fahrzeug hält vor dem Abbiegen an. Aus der Kreuzäckerstraße ausfahrende Kraftfahrzeuge halten nun nicht mehr an der Ampel, sondern mitten auf dem Geh-und Radweg mit der Folge, daß Fußgänger und Radfahrer mitten zwischen abbiegenden PKW´s die Straße queren müssen und dabei auch noch von aus der Kolpingstraße abbiegenden Fahrzeugen gefährdet werden. Nächste Kreuzung Friedrich Dürr Straße/Sontheimer Straße: auch hier Fahrzeuge, die ohne zu stoppen in die Kreuzung einfahren, Auffällig ist, die Autofahrer blicken nur nach links, auf evtl. Radfahrer aus der falschen Richtung achtet niemand. Obwohl gerade Bordsteinradwege oft in der falschen Richtung befahren werden. Wir lehnen den grünen Pfeil an allen Straßen mit Radwegen und Gehwegen aus Sicherheitsgründen rundum ab. Auch an den Kreuzungen ohne spezielle Radwege werden Radfahrer gefährdet. In der Verwaltungsvorschrift zum grünen Pfeil heißt es Er darf nicht verwendet werden, wenn beim Rechtsabbiegen starker Fußgängerverkehr, der seinerseits freigegeben ist, gekreuzt werden muß der der freigegebene Fahrradverkehr auf dem zu kreuzenden Radweg in beide Richtungen zugelassen ist. Allerdings muß, auch auf jedem Gehweg mit Radverkehr gerechnet werden. Kinder bis 8 Jahren müssen sogar auf dem Gehweg radfahren bei der nächsten Änderung der STVO sogar bis 10 Jahre. Viele Bürger getrauen sich nicht mit dem Fahrrad auf der Straße zu fahren und benützen daher Bürgersteige und damit auch deren Furten über die Fahrbahnen. Akzeptabel ist der grüne Pfeil lediglich an Straßen ohne Fuß und Radwege wie in Horkheim die Auffahrt zur Neckartalstraße. Auch bei dem schon länger bestehenden grünen Pfeil Urbanstraße/Südstraße haben mir Fußgänger erzählt, das sich wegen der abbiegenden Fahrzeuge Ältere Mitbürger nicht mehr bei grün über die Kreuzung getrauen. Ein ADFC Mitglied erzählte mir folgendes Erlebnis: Beim Überqueren der Kreuzung.hupten Fahrer aus der hinteren Reihe, daraufhin fuhr der erste los, ohne auf Fußgänger zu achten, die sich noch auf der Fahrbahn befanden. An mehrspurigen Straßen ist der grüne Pfeil gefährlich, an kleinen Kreuzungen wie z.B Jägerhausstraße/Einsteinstraße ist der grüne Pfeil überflüssig. Hier sollte man eher überlegen ob man solch überdimensioniereten Kreuzungen nicht zurückbaut und auf Abbiegespuren und Ampelanlagen komplett verzichtet. Autofahrer sind mit dem grünen Pfeil überfordert (Gefährdet sind die sogenannten schwachen VerkehrsteilnehmerInnen) Unsere Forderung heißt, möglichst konfliktfreie Kreuzungen! Einige deutsche Großstädte testen derzeit sogar rundum grün,- so daß man hier sogar diaogonal über große Kreuzungen laufen kann Gibt es demnächst einen grünen Pfeil Prospekt der Stadt, der an Kinder, Senioren, Radfahrer, Behinderte, Blinde verteilt wird in dem sie daraufhingewiesen werden welche Kreuzungen für diesen Personenkreis gefährlich ist.? Fazit: Der güne Pfeil wiederspricht dem Ziel der Verkehrsberuhigung Der grüne Pfeil beschleunigt den Autoverkehr auf Kosten der sogenannten schwachen Verkehrsteilnehmer. Der grüne Pfeil ist ein Rückschritt hin zur autogerechten Stadt, wie man sie in den Sechzigern wollte. Der grüne Pfeil ist das Gegenteil zur fußgängerfreundlichen und fahrradfreundlichen Stadt. Seit dem 40km/h-60km/h Versuch ist dies nun schon der zweite unsinnige rückwärtsgerichtete Verkehrsversuch in Heilbronn. Warum bewirbt sich die Stadt nicht mal für ein Modellvorhaben Fahrradfreundliche Stadt oder tritt der europäischen Velocity Vereinigung bei, anstatt zweifelhafte Versuche wie den grünen Pfeil auf Kosten der schwachen Verkehrsteilnehmer durchzuführen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hat übrigens schon vor drei Jahren den Bundesverkehrsminister aufgefordert den grünen Pfeil zurückzunehmen (Begründung): Der grüne Pfeil dient einseitig der Beschleunigung.des Autoverkehrs und wird zumindest das Konfliktpotential zwischen den ohnehin weit mehr gefährdeten nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern und dem motorisierten Verkehr erhöhen. Der ADFC tritt vielmehr dafür ein, die Ampelschaltungen an Kreuzungen so zu gestalten, daß die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern Vorrang hat vor der Leichtigkeit des KFZ-Verkehrs und der sogenannten Leistungsfähigkeit einer Kreuzung
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Zuletzt geändert: Mittwoch, 12. März 1997