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Hermann stellt RadKULTUR-Programm vor
Am Donnerstag, den 29.03.2012 stellte Verkehrsminister Winfried Hermann die neue Kampagne „RadKULTUR“ vor. Es sei eine Kampagne für eines der genialsten Fahrzeuge unserer Zeit: das Fahrrad. „Wer Rad fährt, bewegt sich schnell, modern, flexibel, preisgünstig und tut sich selbst viel Gutes,“ ist Winfried Hermann überzeugt. „Allein die Freude an der Bewegung macht das Fahrrad zum unschlagbaren Verkehrsmittel. Und ganz nebenbei stärkt man die eigene Gesundheit und entlastet Verkehr und Umwelt.“ Mehr als die Hälfte aller zurückgelegten Wege seien kürzer als fünf Kilometer und damit ideal zum Rad fahren geeignet. Argumente wie "schlechtes Wetter" würden in den wenigsten Fällen wirklich zutreffen. "Wir brauchen neben einer Kultur des Radfahrens auch eine neue Politik, die stets das Radfahren berücksichtigt."
Mit der neuen Kampagne soll die Fahrradkultur in Baden-Württemberg belebt werden. Im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur wurde jüngst ein eigenes Referat nur für die Themen Rad- und Fußverkehr, kommunale Verkehrskonzepte und Bürgerbeteiligung geschaffen. Damit sollen die Infrastruktur und die fahrradfreundliche Mobilität gefördert werden. Damit sei der Radverkehrs-Etat auch künftig klarer darstellbar.
Ein langfristig angelegter Landesradverkehrsplan soll die Grundlage für eine effektive und nachhaltige Radverkehrspolitik in allen Bereichen bilden. Er wird in diesem Jahr vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur erarbeitet. Darin sollen klare und realistische Zielsetzungen für die nächsten Jahre formuliert und konkrete Strategien und Maßnahmen zu deren Umsetzung entwickelt werden. Hierzu gehören unter anderem zahlreiche Maßnahmen zur Förderung eines leistungsfähigen und flächendeckenden Radverkehrsnetzes, das sowohl direkte und schnelle Alltagsrouten als auch touristische Radfernwege und einen sinnvollen Umweltverbund aus Radverkehr und Öffentlichem Personen-Nahverkehr einschließt. Im Jahr 2012 stehen dafür 1,5 Millionen Euro bereit. Der Zielwert der Förderung soll in den nächsten Jahren jedoch aufgestockt werden. Im übrigen sei die Förderung des Radverkehrs auch eine kostengünstige Form der Verkehrspolitik.
Die Kampagne RadKULTUR steht unter dem Motto „Ich hab´s“. Mit „Ich hab´s“ richtet sich das Ministerium an jede Frau, jeden Mann und jedes Kind in Baden-Württemberg. Alle werden eingeladen, das Fahrrad neu für sich zu entdecken. Denn das Motto bedeutet: Ich habe das Fahrrad doch schon, ich brauche es nur zu nutzen. Laut einer Studie waren im Jahr 2001 rund 70 Prozent der Ein-Personenhaushalte in Baden-Württemberg mit einem Fahrrad ausgestattet. Bei 4-Personenhaushalten gehörte das Fahrrad mit 96 Prozent zur Standardausstattung.
Erster Anreiz, das Fahrrad wieder aus dem Keller zu holen sind kostenlose Fahrrad-Sicherheitschecks. Dabei werden kleine Mängel direkt vor Ort behoben und die Fachleute sind offen für alle Fragen rund um die Sicherheit von Radfahrern im Straßenverkehr.
Die neue Kampagne besteht aus vielfältigen Modulen: Bei dem Wettbewerb „BW sucht Deine RadIDEE“, der im Mai starten soll, werden pfiffige Lösungen rund um Technologie und Nutzung des Rads im täglichen Leben gesucht. Sicherheit und Mode/Bekleidung sind im Jahr 2012 Schwerpunkt des Wettbewerbes. Im Bereich Mode werden Ideen gesucht, die das Radfahren nicht nur angenehmer oder sicherer machen, sondern gleichzeitig Trends setzen und so die Freude am Radfahren erhöhen.
Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) und dem Landesbündnis „ProRad“ hat das Land zahlreiche Kommunen und kommunale Spitzenverbände motiviert, sich sehr viel engagierter als früher den Radverkehrsthemen zu widmen.
Die Kommunen Lörrach, Mannheim und Tübingen wurden ausgewählt, gemeinsam mit dem Land das RadKULTUR-Programm zu realisieren. Ausschlaggebend für diese Auswahl war das Vorliegen ernsthafter Radverkehrspläne und die Mitgliedschaft in der AGFK-BW. Zur Förderung einer fahrradfreundlichen Mobilitätskultur sind vor Ort nun Aktionen in Unternehmen und in der Mitte der Gesellschaft geplant. Speziell für Kinder und Jugendliche wurde die "Schultournee" entwickelt. In Quizshows und Rad-Werkstätten sollen den Kindern die Themen rund ums Rad näher gebracht werden. Ziel sei es, den Radverkehrsanteil in den Kommunen deutlich zu steigern.
Der Mannheimer Bürgermeister Lothar Quast möchte dazu unter anderem Lückenschlüsse im Radverkehrsnetz vornehmen. Ein 21-Punkte-Programm soll den Radfahrer-Anteil in Mannheim von derzeit 15 Prozent auf 20 Prozent anheben. Der Tübinger Baubürgermeister Cord Soehlke sieht Tübingen auf einem guten Weg: Seit Jahren sei der Anteil des Radverkehrs innerstädtisch bei schon bei 25 Prozent. Zusammen mit dem ÖPNV käme man auf etwa 75 % am Verkehr. "Das Fahrrad ist ein stadtfreundliches Verkehrsmittel," so Soehlke, es stehe daher in Tübingen hoch im Kurs. 600.000 Euro stelle die Stadt Tübingen für den Radverkehr zur Verfügung. "Allerdings gibt es noch großes Umsteige-Potenzial bei den Einpendlern nach Tübingen," räumte Soehlke ein.
Außerdem sollen möglichst viele Betriebe inspiriert werden, eigene
Werksfahrräder einzusetzen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Werksfahrräder sparen wertvolle Mitarbeiterzeit und in der Regel auch wertvolle Betriebsflächen, die nicht mehr zum Parken benötigt werden. Gleichzeitig steigern diese Mobilitätskonzepte die Sicherheit, Umweltqualität und Biodiversität am Standort. Werde der Anteil der Autopendler zu Gunsten von mehr Fahrradpendlern und Bike+Ride-Nutzern verringert, profitierten alle.
Minister Hermann erklärte, im Ministerium habe er als eine der ersten Investitionen Pedelecs anschaffen lassen. Ob er sein Ministerium als "fahrradfreundlich" zertifizieren lassen will, ließ er allerdings offen...
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.ich-habs.de


